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Diesen Eintrag will ich voll und ganz Kuba widmen: unserer Reise und dem Land so, wie wir es wahrgenommen haben. Denn eins ist uns klar geworden – es gibt viele verschiedene Kubas, je nachdem wie man reist, was man macht und wohin man geht.

 

Aber noch einmal kurz zu unserer Truppe, ich hatte ja im letzten Eintrag schon ein Foto eingestellt. Weil es so schön ist, lass ich aber ein zweites folgen:

 

Von links nach rechts handelt es sich um Aree(Rands Kumpel aus England), Rand(mein aus dem blog schon bekannter wingman), meine Wenigkeit und Viktor(ebenfalls von der TU, dieses Semester dazugestoßen). Wir sitzen vor irgendeinem Monument in Habana, an das ich mich nicht mehr genau erinnern kann (welches aber bestimmt irgendetwas mit der Revolution zu tun hat). Schon aus dieser Gruppenkonstellation ergaben sich einige Probleme sprachlicher Natur:

 

·         Aree spricht nur Englisch und Kurdisch

·         Rand spricht Kurdisch, Spanisch und Deutsch aber ungern Englisch

·         Ich spreche Englisch, Spanisch und Deutsch

·         Viktor spricht Englisch und Deutsch, aber noch nicht so gut Spanisch

 

Das ständige Wechseln hat uns einiges an Nerven gekostet. Wie man sich vorstellen kann, habe ich am Schluss mit Aree Deutsch, Rand mit mir Kurdisch und Viktor mit mir Englisch gesprochen. Oder so ähnlich. Immer wenn Alkohol im Spiel war (und das war nicht unbedingt selten) vereinfachte sich die Situation nicht – im Gegenteil. Im Endeffekt war unsere gemeinsame Sprache Englisch, die Hälfte der Zeit haben wir aber mit irgendwelchen Leuten Spanisch gesprochen (während Aree abwechselnd Däumchen gedreht und Bahnhof verstanden hat).

 

Neben unseren internen Problemchen hab es natürlich auch noch Verständigungsprobleme mit den Kubanern. Kubanisches Spanisch klingt ungefähr so wie wenn man eine Flasche Whiskey auf Ex trinkt, die Zähne zusammenkneift und mit doppelter Geschwindigkeit nuschelt – der Einfachheit halber lässt man jeden vierten Buchstaben bei der Aussprache weg. „Ennienes?“(=>“Entiendes?“ – „Verstanden?“). Während ich die meiste Zeit versuchte per Gedankenkraft Fragezeichen in die Luft zu malen, kam Rand recht gut mit dem Gesabbel zurecht und avancierte dadurch schnell zum Wortführer. Außerdem ist sein Lieblingshobby verhandeln, so dass Rand unglaublichen Spaß daran hatte um den letzten Krümel Nachtisch zu feilschen, während ich schon vor Hunger starb. Manchmal etwas zu viel, meistens hat es uns aber Rabatte eingebracht (in Kuba existiert der Studenten-Rabatt im Gegensatz zu Mexiko).

 

Aber gut, jetzt aber zur eigentlichen Reise! Nach einem locker flockigen Flug von Mexico (Mexiko-Stadt) aus kamen wir im Kommunismus an. Spontan entschieden sich die Grenzbeamten, uns Mischung aus Weißbroten und Kurden mal richtig ranzunehmen und beorderten uns zur Seite. Dort erfasste ein freundlicher Grenzbeamter im nuschelnden Spanisch unsere Lebensläufe, das dauerte ungefähr 25 Minuten. Nachdem er von allen Blutgruppe, Lieblingsverein und Farbe der Unterhose aufgenommen hatte, durften wir endlich ins Land des Rums und der Zigarren passieren. Gleich der erste Taxifahrer drehte mit uns irgendein halblegales Ding, so dass wir zwar billig (Rand hatte natürlich mit ihm verhandelt) fuhren, aber vorher einen halben Kilometer zu seinem Taxi (einem stattlichen Lada Modell Vor-Sinnflut) laufen durften.

 

Erster Eindruck von Kuba: Mickriger Flughafen, warm, wenig Verkehr, verschwitze und gewitze Taxifahrer. Selbiger begrüßte uns dadurch, dass er die Salsa-CD aus dem Radio zog und erstmal Akon-Pop aus den Staaten einlegte. Naja, er meinte es wahrscheinlich gut. Weiter forderte er von uns die leergetrunkenen Plastikflaschen. Wir dachten: „Scheiße, die haben ja wirklich nix hier…“.

 

Wir ließen uns dann zu einer casa particular karren, so ziemlich der günstigsten Form der Unterkunft in Kuba. Der Ausdruck bedeutet nur, dass sich stinknormale Kubaner eine (teure) Lizenz geholt haben, mit der sie Gäste in ihrem Haus beherbergen können. Zwei pro Zimmer, nicht mehr, sonst gibt’s Haue(ernsthaft). Unsere erste casa war direkt ein echter Brenner – bewohnt von José und Odalys. José war der Mann des Hauses, mit einer Vorliebe fürs laut Reden und Gestikulieren. Der erste Eindruck ließ mich darauf schließen, dass er sowohl italienische als auch epileptische Vorfahren hat. „ENNIENNES???“ Seine Frau, Odalys, war sowohl optisch als auch funktionell irgendwo zwischen B-Prominenz und Puffmutter anzusiedeln. Wir handelten also einen (im Nachhinein astronomisch hohen) Preis für die zwei Zimmer aus und durften uns dann das Regelwerk von Odalys anhören. Sie erklärte uns, wie es in Kuba mit den zwei verschiedenen Geldsorten läuft, wo man besser nicht essen sollte und dass wir mit zwei Mann pro Zimmer keine Frauen mit nach Hause bringen dürften. Nun gut, das ist verständlich, denn in Kuba darf man eben nur zwei Personen einquartieren und sie hatte Angst, dass eine dritte (leichte Dame) die Überbelegung meldet und sie direkt ins Kittchen bugsiert. In Anbetracht unserer testosterngeschwängerten Gruppe legte sie aber direkt nach:

 

Also gut, die Frauen von der Straße kenne ich nicht, denen kann ich nicht vertrauen, aber wenn euch zum Beispiel meine Cousine hier gefällt, die in der Küche, also der kann ich schon vertrauen, dann macht mir einfach mal einen guten Preis!“.

 

Bitte? Später fanden wir dann auch heraus, dass es sich nicht um ihre Cousine handelte, sondern ein Mädchen, das erst seit einem Monat bei ihr arbeitete. Aber für’s erste waren wir schon mal leicht…schockiert? Odalys bekräftigte ihren Vorschlag noch dadurch, uns enorm starke Daiquiris zu servieren und rief eine weitere, dickbrüstigere und blondere „Cousine“ an. Wir machten uns leicht angetrunken auf, die Stadt zu erkunden. Hier ein Foto von unserem Heißmacher-Drink inklusive Aussicht auf La Habana sowie ein Aktfoto von Rand in einem unserer schönen Räume.

 

Bei dem Kissen in Rands Händen handelt es sich übrigens um ein speziell kubanisches Produkt. Es ist die Art von Weichprothese, welche die Kubanerinnen in ihre Jeans stecken um die weltweit berühmte, kugelrunde Hinternform zu erreichen. Aus unerfindlichen Gründen und trotz abgeschlossener Schränke lag eines dieser Spezialutensilien auf einem Bett unseres Zimmers.

 

Odalys hatte auch schon für unser leibliches Wohl am nächsten Tag vorgesorgt und José erzählte uns wild mit den Armen rudernd von dem fantastischen Frühstück, dass uns für 5 CUC (~4€) erwarten würde: Eier, Früchte, Brot, Butter, Marmelade, frischen Saft, Kaffee, Honig, Milch, Schinken, usw. Hätte mich nicht gewundert, wenn er noch eine Cousine draufgelegt hätte. Und naja, dann gäbe es noch leicht abgespeckte Varianten, für 3 bzw. 2 CUC, mit ein bisschen weniger, ist ja klar. Das leuchtete uns ein und im Hinblick auf den gebeutelten Geldbeutel (danke Griechenland, dass ihr den Karren in den Dreck gefahren habt!) orderten wir die mittlere Version für 3 CUC. Am nächsten Morgen brauchten Odalys (und ihre zwei leichten Gehilfinnen) unter Josés Aufsicht eine ganze Stunde, um unser Festmahl zuzubereiten. Dementsprechend hoch war unserer Erwartung. Wir saßen am Tisch, bekamen frischen Saft(!), zuckersüßen Instant-Kaffee in Expresso-Tassen und getoastes Brot. Als Viktor anfing, das Brot zu essen, wollten wir ihn noch zu Recht weisen, auf das richtige Frühstück zu warten. Nach etwas längerer Wartezeit wurde uns dann klar, dass wir es vor uns hatten. Toastbrot mit Butter und Salz – Gott erhalt’s. Auf die Frage, was denn das 2 CUC Frühstück sei, konnte José nur mit „Kaffee und Saft“ antworten und fuchtelte noch ein paar Mal in der Luft herum, um die hohen Butterpreise zu unterstreichen.

Wir beließen es bei dem einen Frühstück, empfahlen uns und erkundeten abermals La Habana. So mies das jetzt auch klingt, es soll folgendes gesagt sein: Überall, in allen anderen Häusern, wurden wir sehr gut behandelt. Die Leute waren freundlich, nett, kooperativ und machten uns für mittelviel Geld wirklich gutes Essen: satte Abendessen und wahrhaftig gute Frühstücke. Der Hinweis auf unser Studententum stieß fast immer auf Verständnis und so manches Großmütterchen schloss uns geradezu in ihr Herz. In den casas particulares haben wir viel Freundlichkeit und Gastfreundschaft erlebt, das Lehrgeld, das wir bei Odalys Frühstück gezahlt haben, war denkbar gering. Ich glaube es gibt nicht viele bessere Möglichkeiten, echte Kubaner kennenzulernen als in deren Häusern zu schlafen, gerade wenn man sehr wenig Zeit hat! Für uns war es zum einen natürlich viel billiger, als in großen Hotels zu logieren und zum anderen auch viel interessanter. Ohne Spanisch ist man in diesen Unterkünften allerdings recht verloren, sowohl beim Verhandeln des Preises als auch beim Kennenlernen der Bewohner. Jedem, der nach Kuba geht, kann ich diese Art der Bleibe trotzdem uneingeschränkt empfehlen(außer natürlich man will Kubanerinnen von der Straße mitnehmen!). Auch wenn die Kubaner einen recht kitschigen Geschmack haben, wie Rand und Aree feststellen durften, als sie im rosa Liebesnest residiert haben!

 

 

In La Habana haben wir dann erstmal ein Auto gemietet, um besser in Kuba herum zu kommen. Es gibt zwar auch diverse Busse, allerdings karren die einen wahrscheinlich auch nur zu den arg touristischen (und teuren) Plätzen. Da wir zu viert waren, wollten wir uns den Luxus eines fahrbaren Untersatzes nicht nehmen lassen. Nachdem wir mit geschätzten 83 Autovermietungen verhandelt hatten, bekamen wir einen kleinen Peugot 206 unter den Hintern. Da Viktor und ich unsere Pässe dabei hatten, ließen wir uns als Fahrer eintragen. Im einem Reiseführer stand: „Es gibt wenig Autos auf den Straßen und auf der Autobahn außerhalb von La Habana“. Wie wir dann feststellten, sollte man das nicht mit wenig Verkehr gleichsetzen, denn in Kuba sind die Straßen/die eine Autobahn gerammelt voll mit Fußgängern, Spaziergängen, Fahrradfahrern(die auch gerne in dritter Reihe radeln), Pferdekutschen und allem sonstigen, was nach guter deutscher Auffassung und StVO nicht unbedingt auf eine Autobahn gehört. Der Straßenrand ist voll mit Anhaltern, da in Kuba sehr viel Anhalter gefahren wird – es gibt auch ein System von Regierungsangestellten, die Autos anhalten und Mitfahrer zuteilen. Da wir aber selber motorisiert waren, haben wir das nicht näher kennengelernt. Natürlich gibt daneben auch Abschnitte, die völlig leer sind, wo es sich auf sehr entspannt fährt.

 

Neben einem Haufen Fußgänger haben wir auch noch Anderes getroffen, was dringend von mir überfahren werden wollte: Auf einer Straße am Meer wimmelte es auf einmal von Krabben. Ich alleine habe ungefähr 40 Stück mitgenommen, dementsprechend sah die Straße auch aus. Und dementsprechend roch sie. Wir haben trotzdem angehalten um ein paar Bilder von den lemmingartigen Krebsmännern zu machen. Ein bisschen besorgt waren wir, da uns andere Touristen erzählten, dass die Beine von den dicken Brummern auch schon mal Reifen vernichten könnten – laut diverser Einheimischer. Hier warten ein paar Kandidaten am Straßenrand auf den Tod durch Zerquetschen.

 

Aber soviel zum Rumfahren, im Endeffekt geht es ja darum, wo wir eigentlich hingegurkt sind. Als erstes hat es uns nach Westen verschlagen, in einen Ort namens Viñales. In Viñales gibt es eigentlich nicht viel außer Tabakfeldern und schöner Landschaft, selbige war aber wirklich sehr schön. Leider habe ich kein angemessenes Foto geschossen. Wir haben kurz entschlossen direkt nach unserer Ankunft einen Ausflug in die Tabakfelder gebucht – zu Pferd. Unter der Führung eines echten kubanischen Cowboys („Manchmal, wenn wir zu einer Feier reiten und trinken, nehmen wir unsere Lassos, werfen sie auf einen aus der Gruppe und ziehen ihn dann beim Reiten vom Pferd runter. Aber alle zusammen, und lassen ihn nicht frei, bis er uns verspricht Schnaps zu kaufen…“) haben wir die Tabakfelder erkundet. Die Pferde wussten schon genau wo es langgeht, so dass wir eigentlich gar nichts machen mussten außer den Anekdoten zu lauschen und die Umgebung zu beglotzen.

 

Nach dem Ausritt wurde uns dann auch ein sogenanntes Trocknungshaus gezeigt, in dem die Tabakblätter nach der Ernte abhängen. Davon gehen 90% an „Papá“, den Rest dürfen die Bauern behalten(um daraus selber no-name Zigarren zu machen).

 

Danach sind wir noch zu einer Hütte geritten, in der gerade ein Kubaner pennte. Unser Cowboy weckte ihn recht unsanft, woraufhin er erstmal eine leere Flasche Rum beiseite stellte („ein bisschen viel Karneval im Moment…“) und sich zurück ins Leben beamte. Er machte uns dann Grapefruit-Rum-Zuckerrohrsaft-Cocktails, erklärte uns die Zigarrenherstellung und versorgte uns mit anderen wichtigen Anekdoten. Im Endeffekt haben wir ihm ein paar Zigarren abgekauft und alle waren glücklich.

 

Am nächsten Tag haben wir zum ersten Mal ein vernünftiges Frühstück (für 4 CUC) bekommen, eine Höhle angeschaut und uns dann auf den Weg Richtung Osten gemacht, wo wir die meisten Ziele unserer Tour hatten.

 

Die beste Geschichte aus Viñales will ich natürlich nicht vorenthalten: Zufälligerweise war in dem Kaff gerade Karneval, also das Fest der Stadt und des Jahres. Am Abend saßen wir total geplättet auf der Terasse und wollten eigentlich gar nichts mehr machen - schon gar nicht auf eine kubanische Bauernkirmes gehen. Dann hörten wir aber ständig laute Musik, einen DJ der wild moderierte („Und jetzt arrrriiiiiba“) sowie ausgelassenes Gekreische von Frauen. Selbst bei einem Bier ließ unsere Vorstellungskraft nicht lange auf sich warten und nach 20 Minuten hatten wir in unserer testosteron-angereicherten Gruppe die Schlussfolgerung gezogen, dass auf dem Platz im Zentrum ungefähr hundert heiße Kubanerinnen (im Regen!) tanzten, die auf Befehl des DJs ihre Hände in die Luft schmissen. Das überzeugte uns dann doch uns wir machten uns kurzerhand auf den Weg. Als wir näher und näher kamen, wunderte uns schon, dass der Rest des Festes bereits vorbei war und dementsprechend viele Leute auf dem Weg nach Hause. Musik gab es trotzdem, und wir folgten ihr. Hinter der letzten Ecke löste sich dann das Rätsel: Dort stand nämlich eine Schiffsschaukel, die unter Anfeuerung des DJs hoch und runter sauste, voll mit kreischenden 16jährigen Jungs und Mädels. Nachdem wir die ärgsten Lachkrämpfe hinter uns hatten, machten wir uns leicht niedergeschlagen über die Abweichung von dem, was wir uns ausgemalt hatten, wieder zurück auf den Heimweg.

 

Mit dieser Geschichte möchte ich erstmal schließen, damit der Eintrag nicht allzu lang wird und ich nicht ein Jahrhundert brauche, um ihn fertig zu stellen. Mehr folgt in Teil 2! ;-)

 

Am Osterwochenende (genauer gesagt Samstag) bin ich von meiner kleinen Urlaubsreise zurückgekehrt. Eigentlich hatten wir ja nur eine Woche Urlaub (in Mexiko ist die Osterwoche, „semana santa“, frei) aber da die Uni sowieso nur Kindergarten ist, habe ich mir die Woche davor auch frei genommen. Jetzt bin ich am Limit meiner Fehlstunden, aber auch das werde ich wohl überleben!;-)

 

Zusammen mit Rand, Aree(einem Freund von Rand aus England) und Viktor(ebenfalls TU-Maschinenbauer auf der Auslandsflucht) habe ich mich also aufgemacht, zwei verschiedene Welten zu erkunden: das kommunistische Kuba(„hasta la victoria siempre“) und das kapitalistische Cancún(„Playboy springbreak party 2010“) – zwei recht unterschiedliche Konzepte. Inwiefern uns das gelungen ist, will ich an dieser Stelle beschreiben. Hier erstmal ein Bild von unserem Team, zusammen mit dem Taxifahrer Juan Carlos („Ja genau, wie der König von Spanien, nur dass er eine schlechte Kopie von mir ist!“), mit dem wir ein paar Stunden lang diverse Ecken von La Habana, der Hauptstadt von Kuba, erkundet haben.

 

Um eine kurze Zusammenfassung zu geben, vor dem eigentlichen Bericht – hat ja letztes Mal schon super geklappt – soll folgendes gesagt sein: Kuba ist schon etwas ganz anderes, zumindest wenn man sich außerhalb von dicken, teuren Hotels bewegt. Ich hatte viele verschiedene Erwartungen von Kuba, bei manchen wurde ich gänzlich überrascht. Esskultur gibt es in Kuba quasi nicht, die Kubaner scheinen vor allem in folgenden Gebieten vorherrschend zu sein: Rum, Zigarren, Salsa, Sex. Das ist auf jeden Fall unser Eindruck nach ungefähr einer Woche.

 

Warum wird statt Tabak nicht mal was zu Essen angebaut. Warum gibt es nicht überall Salsa-bars, so wie wir es uns vorgestellt haben? Warum gibt es in der Eisdiele nur zwei Sorten Eis, dafür aber auch mindestens zwei Sorten Kondome? Und für was stehen die Leute schlangenweise an – das Eis oder die Kondome? Warum dreht sich keiner nach mir um, obwohl ich blond bin? Und wer zum Teufel kann länger als drei Tage diese ekligen Hotdogs essen?

 

All das und noch viel mehr haben wir uns gefragt und nicht unbedingt immer Antworten gefunden, trotz aller Einsichten, die unser Trip mit sich gebracht hat (dem Spanisch sei dank). Kuba war wirklich sehr interessant, ich hoffe, dass ich es in dem folgenden Beitrag auch nur annähernd wiedergeben kann. „Viva Cuba!“.

 

 

Danach stand für uns Cancún an. Eigentlich wollten wir uns ja mal anschauen, wie sich die (in den USA) minderjährigen Amis die Birne am Strand wegsaufen. Allerdings waren die meisten von denen schon abgehauen, an ihrer Stelle gab es nur noch Mexikaner (die sich allerdings auch gerne mal die Birne wegsaufen). Wir taten es ihnen gleich, die ganzen Clubs dort sind eh „open bar/barra libre“. In Deutschland wurde das ja vor einigen Jahren als „Flatrate-Trinken“ angeprangert. So fühlt es sich auch an.

 

Nach Cancun haben wir noch ein bisschen Yucatan getourt: Strände, Städtchen und am Schluss nochmal ein bisschen Kultur. Alles in allem gibt es davon nicht annähernd soviel zu erzählen wie von Kuba, war aber trotzdem eine schöne Woche. Auch die letzte Stadt – Mérida – hat mir sehr gut gefallen, obwohl wir nur sehr kurz dort waren. Ich könnte mir schon vorstellen, in der Gegend noch einmal eine Runde zu drehen!;-)

 

In diesem Sinne also erstmal viele Grüße an alle, die den Blog trotz langer Totzeit noch lesen und ein Versprechen auf weitere Einträge!

 

 

 

 

PS: Wir waren einen Tag vor Elton Johns großem Konzert in Chichén Itzá. Wow. Like a candle in the wind!

„Alter, gibt’s hier denn kein Lift?“

 

Das hab ich mir schon zum ersten Mal gedacht, als ich am Samstag in Bernal war. Aber abgesehen davon, dass „Lift“ hier „Manzana“ heißt und man am Taco-Stand sowieso eher „Boing“ (ich vorzugsweise Mango) trinkt, waren wir eh zum Klettern gekommen.

 

Aber nochmal im Kontext: Letztes Wochenende war ich mit (den treuen Lesern bereits bekannten) Alf und ein paar anderen beim „Peña de Bernal“, einem großen Stein in der Nähe von Querétaro. Der Peña de Bernal ist im Prinzip ein großer Felsbrocken. Sieht aus wie ein Berg, ist aber ein einziger Brocken. Weltweit der drittgrößte. Ich habe zwar immer noch nicht ganz verstanden, was daran so toll ist, dass es sich um einen riesigen Stein handelt (und nicht etwa einen Berg, der aus vielen Steinen besteht), aber Bernal ist schon eine Attraktion hier in der Umgebung. Hier mal ein Bild von besagtem Klumpen:

 

 

 

Um den Brummer zu besichtigen, musste ich doch tatsächlich am Samstag früh aufstehen. Nun gut, ich habe zu dem Zeitpunkt Antibiotika genommen und konnte deswegen eh nicht trinken. Das mag das Granze als hinnehmbar erscheinen lassen, aber durch meine 08:30 Uhr Spanischklasse habe ich das Ausschlafen doch schon recht lieb gewonnen. Aber egal, ich hatte am Abend vorher mit Alf telefoniert, der mich informierte, dass wir uns um 08:00 morgens bei ihm treffen.

 

Kurz nach 08:30 kam ich mit dem Taxi bei ihm an. Die maximale Verspätung, die mein deutsches Zeitgewissen zulässt, und gerade genug, um mich nicht ganz dämlich zu fühlen. Alf war gerade am Duschen und schrie mir aus dem Fenster zu, dass ich das andere Tor benutzen sollte, um ins Haus zu kommen. Drinnen wartete ein Mexikaner (spitz)namens „bicho“ – allgemein ein abwertender Begriff für Insekten oder kleine Tiere. Er erklärte mir, dass dies an seiner (für Mexiko durchaus nicht besonders) kleinen Körpergröße liegt. Bicho geht auf die Prepa (Gymnasium) und saß gelangweilt in Alfs Wohnzimmer. Schon beim ersten Blick war mir klar, dass Bicho (um bei den Vergleichen zu bleiben) klettert wie ein Gecko – irgendwie hatte er diesen Kletterfreak-Look. Ich hingegen klettere ungefähr so gut wie ein Blauwal.

 

So gegen 09:00 Uhr kamen dann ein paar andere Leute und Alf kam runter. Während ich gegen meine Müdigkeit kämpfte, erklärte er, dass wir nochmal zum TEC fahren mussten, um die Ausrüstung zu holen. Um 09:30 Uhr waren wir dann also beim TEC, ungefähr 300m von meiner Wohnung entfernt. Wie sollte ich auch auf einen Trip mit Alf fahren, ohne mich mindestens einmal dämlich zu fühlen?

 

In Bernal angekommen, kam uns dann noch etwas dazwischen: Während Alf kurz weg war, kam eine Frau und fragte uns nach unserer Klettererlaubnis. Während ich mir noch dachte, dass Alf besagte Erlaubnis bestimmt hat, da er ja oft dort klettern geht, staunten meine Mitkletterer Bauklötze. Man muss dazu sagen, dass eine Erlaubnis um einen öffentlich Felsbrocken zu besteigen in Mexiko ungefähr so am Platz erscheint wie ein Kühlschrank in Alaska. Als Alf wiederkam, lief es ungefähr so ab:

 

„Alf, da war so eine Alte eben da und hat uns nach unserer Erlaubnis gefragt.“

- „Erlaubnis für was?“

„Um zu Klettern.“

- „Und habt ihr geantwortet, dass sie sich verdammt nochmal zum Teufel scheren soll?“

„Ja so ungefähr, also sie ist da drüben…“

 

Was folgte, war ungefähr eine Stunde Diskussion zwischen Alf und besagter Frau. Anscheinend hatte zum neuen Jahr irgendein Sesselpupser entschieden, dass nicht die Hunderte Touristen, sondern die Handvoll Kletterer die Umwelt zerstören und dass es folglich keine Klettererlaubnisse mehr geben sollte. Da Alf aber nicht nur gut im Klettern, sondern auch im Klugscheißen ist, legte er der Dame in endlosen Diskussionen nahe, dass er jetzt da rauf geht und klettert und es ihm scheißegal sei, was sie dazu sage, da es keine rechtliche Grundlage gäbe um das zu verbieten. Und dass sie ihn ruhig festnehmen lassen sollte, denn dann würde er sowohl sie als auch die entsprechenden Polizisten verklagen. Selbige saßen neben dran im Auto und zuckten mit den Schultern. Nachdem er das Ganze ungefähr 25mal wiederholt hatte, durften wir endlich Klettern.

 

Allein der Weg zu den bekletterbaren Stellen war eine ganz schöne Kraxelei, dümmlicherweise hatte ich mich bereit erklärt, zusätzlich zu meinem Schrott auch noch unser Seil zu tragen. Noch dümmlichererweise war ich am Abend vorher ausgiebigst im Fitnessstudio. Ich kam ziemlich durchgeschwitzt und kaputt oben an…

 

Dann stand ich erstmal vor der Wand.

 

 

 

Man muss dazu sagen, dass dies das erste Mal war, dass ich rein zum Klettern irgendwo hinfahre. Vorher habe ich immer nur an Kletterwände rumgehangen oder aber sonstige Outdooraktivitäten betrieben, die ein bisschen Klettern beinhalten. Dementsprechend unschlüssig war ich darüber, wie ich denn diese verdammte Wand jetzt hochkommen sollte. Ein schmiedeeisernes Kreuz am Boden erinnerte mich daran, meine Ausrüstung nochmal gut zu kontrollieren.

 

Als erstes sprintete Bicho die Felsen hinauf. Das sah beim Zuschauen recht leicht aus. Danach war ich dran. Anstelle seiner 7 Minuten verbrachte ich ungefähr 20 Minuten damit, den Felsen zu umarmen. Ich hatte mir das Ganze wirklich leichter vorgestellt…

 

Hier das Foto von Bichos rasantem Aufstieg.

 

 

 

Nach der ersten kletterten wir noch eine zweite Route, die sich als nicht gerade leichter herausstellte. Während Alf sich sonnte und mit seinem Hund unterhielt, hing ich bestimmt gute 25 Minuten an der Wand und hörte mir gute Ratschläge von Bicho an, der wahrscheinlich nur mit mir redete um beim Sichern nicht einzupennen.

 

Alles in allem hat es aber sehr viel Spaß gemacht und mit Hängen (im wahrsten Sinne des Wortes) und Würgen habe ich dann die zweite Route auch hinbekommen. Während Bicho etwas enttäuscht war, dass wir so einfache Baby-Routen geklettert waren, musste ich mich erstmal entkrampfen. Zusätzlich kam mir die Erkenntnis, dass ich sowohl tonnenweise Übung brauche als auch vernünftige Kletterschuhe. Für ersteres ist glaube ich auch gesorgt, diese Woche durften wir mal wieder die ganze Stunde Bouldern, 20 mal die Wand entlang. Während die meisten Mexikaner nach ca. 5 mal behaupteten bei Nummer 25 zu sein, versuchte ich tatsächlich, die 20 zu erreichen. Bei 17 hab ich dann aufgehört, da die Wand schweineheiß war und jeder meiner Finger mindestens zwei Blasen besaß. Klettern hat also wieder richtig angefangen! ;-)

 

Zum Abschluss nochmal ein schönes Foto von der Aussicht:

 

 

 

PS: Ja ich bin schon ein ziemlich fauler Sack, dass ich zu den ‚Ferien’ bis jetzt noch nicht mehr geschrieben habe, aber ich habe es noch nicht abgeschrieben!

 

 

...so lange war ich jetzt unterwegs auf einer "Tour de Mexico". Es wird mir schwer fallen, alle Eindrücke und Erlebnisse hier festzuhalten, deswegen mache ich Folgendes: In diesem Eintrag gebe ich einen kleinen Überblick darüber, wo ich war. Den werde ich dann nach und nach mit kleinen Einträgen zu einzelnen Orten ergänzen - je nach Zeit und Lust. Immerhin wollen im neuen Semester viele Klassen besucht, Tacos gegessen und Parties gefeiert werden!

 

An dieser Stelle also eine chronologische Abfolge meiner Reise, für alle, die das ganze nachschlagen oder tatsächlich selber mal Mexiko besuchen wollen. Dazu eine Beschreibung der wichtigsten Sachen an diesem Ort.

- Oaxaca (Stadt): eine kolonial gehaltene Stadt mit gefühlt mehr Cafés als Taquerias(!), einem grossen Markt mit haufenweise gebratenen Grashüpfern, dem regionaltypischen Schnaps Mezcal (entspricht in Sachen Exklusivität und Anwendung etwa dem deutschen Doppelkorn) und einem Batzen Kirchen.
 

- Puerto Escondido:
relaxte Surferstadt mit vielen Hütten am Strand, einem Haufen Backpackern, geilen  Strandbuchten und einer Flut an australischen Surfern mit einem IQ gerade über Zimmertemperatur. Und tortugas!
 

- Mazunte: In der Nähe von Puerto, minimal kleines Stranddorf mit absolutem Romantik-Faktor(ich war natürlich als Single da). Selbst die verlausten Strandhunde laufen als Päarchen rum und küssen sich. Ansonsten abgefahrene Hippies, ein Felsen mit angeblich konzentrierter kosmischer Energie, guten Stellen zum Schnorcheln und übertrieben vielen Sternschnuppen. Spottbillig und dementsprechend rustikal. In der Nähe gibt es eine Krokodillagune(die wiederum die Anzahl der verlausten Strandhunde reduziert).
 

- San Cristóbal: Mächtig prächtige alte Kolonialstadt in Chiapas, nichts absolut besonderes, aber sehr schön. Mit einem Kaffeemuseum, das nichts mit Kaffee zu tun hat. Aber auch wirklich gar nichts! In der Nähe sind die protzigen Ruinen von Monte Álban(hat mit Doktor Alban nichts zu tun).
 

- Palenque: Gibt es gleich zweimal, Palenque die Ruinen(top) und Palenque die moderne Stadt(Flop). Ruinen mit akkurat getrimmten englischen Rasen. Maulwürfe scheinen nicht existent zu sein. In der Nähe gibt’s außerdem Wasserfälle aus dem Bilderbuch.
 

- Yaxchilán&Bonampak: Wieder Ruinen, diesmal richtig im Urwald, mit Brüllaffen, Fledermäusen, Kellergewölben und Indiana Jones-Feeling. Und Handynetz aus Guatemala. Das ist fast genauso gut wie ein Stempel im Pass!
 

- Playa de Carmen: absolut touristische Strandstadt in der alles in Dollar ausgezeichnet ist und einen jeder auf Englisch anspricht. Aber schöner Strand, gut zum Ausgehen und ein cooles Hostel. ‚Come here amigo, we have Tacos.’
 

- Cancún: Die Reinkarnation der Touristenhochburg, der Ballermann der Amis. Hat mich nicht lange da gehalten, habe nicht mal ein Foto.

- Isla Holbox: ziemlich unberührte Insel im Norden von Yucatán. Es gibt keine Autos sondern nur Golfcaddies. Der Strand besticht durch Kitesurfing und angespülte Fischköpfe. Fischen ist ein großes Ding. Aber im Ernst, wirklich schön da. Zum Fest Weihnachtsflair mit Technomusik.
 

- Isla Cozumel: Das Tauchmekka von Yucatán. Ich war erkältet. Ziemlich touristisch, aber trotzdem relaxt. Mit einer abnormal hohen Konzentration an Zöpfeflechtern auf den Straßen. Mit dem Mopped ab zum Strand, easy rider light – hat was.
 

- Tulum: Kleine Stadt mit bombigem Strandabschnitt und (zur Saison) absolut überteuerten Hütten zum Schlafen. Dazu noch eine Ruine in absoluter Traumlocation. Schon die Mayas wussten was gut ist und haben sich eine Stadt an die Küste mit weißen Sand und türkisem Wasser gebaut.
 

- Belize City:
„Welcoooom to Belize Maaaan!”. Von Mittelamerika direkt in die gefühlte Karibik. Belizes größte Stadt mit 66.000 Einwohnern. Wer denkt dass Mexikaner reläxt sind, sollte sich Belize geben. Weiterhin Rice, Beans and Chicken bis zum Abwinken! „Yaaaa Maaaan!“. Außerdem ein Dönermann aus der Türkei, der in Berlin gearbeitet hat und spricht wie ein Italiener.
 

- Caye Caulker: Absolut geile Insel mit Rastamännern, Raeggebars und dem entspanntesten Flair überhaupt. Und Tracy(dazu später mehr). Und richtig guten Tauch- und Schnorchelgebieten. Ein Traum!
 

- Corozal: Ministadt mit alten Mayaruinen, dem Taxifahrer Dwayne und fünf Trilliarden Moskitos – die alle deutsches Blut wollen. Hab ich schon Rice, Beans und Chicken erwähnt?
 

- Chetumal: Grenzstadt in Mexiko. Endlich wieder Alambre essen! Ansonsten unspekakulär. Kein Bild existent!

- Villahermosa:
Hauptstadt von Tabasco, allerdings überhaupt nicht hermosa(schön)! Es hat aber auch die ganze Zeit geschifft. Genausowenig touristisch. In zwei Tagen habe ich zwei Ausländer gesehen, und das in einer Millionenstadt…
 

Das war meine Tour de Mexico, schön war’s! Und warm war’s!!! Denn jetzt sitze ich hier in Querétaro und friere mir meinen weitgereisten Hintern hab. Es ist zwar nicht besonders kalt (so zwischen 5 und 10 Grad), aber es gibt einen kleinen, aber feinen Unterschied zu Deutschland: Es gibt hier keine Heizungen. In meiner Wohnung ist es grabeskalt, nur unter drei Decken im Bett gibt es Wärme. Und so fröstele ich durch den Tag, die meiste Zeit halb tiefgefroren. Man muss dazu sagen, dass es sich um einen ausgesprochen kalten Winter handelt, der sich freundlicherweise zu meinem Besuch nach Querétaro eingeladen hat. Methangas aus Kühen, schmelzende Polkappen, Global Warming und winterliche Kältewelle – ihr wisst schon. Ich werde auf jeden Fall die nächsten Tage mal in ein paar Winterschuhe, eine dicke Jacke und eine Mütze investieren. Vielleicht auch Penner-Fäustlinge, um meine Gefühle besser auszudrücken. Ich könnte mich auch mal nach brennenden Mülltonnen umschauen…

An dieser Stelle möchte ich nochmal einen Bericht über eine Reise bringen, die schon etwas zurück legt. Eins vorweg: Fragt mich nicht, warum wir in Tampico waren. Wir waren einfach da! ;-)

 

Nach extrem kurzer Beratung haben wir also an einem Wochenende vor einiger Zeit zu zweit (Rand und ich) einen Bus Richtung Tampico genommen; selbiges liegt an der Ostküste (die Ostküste sollte man ja mal gesehen haben!). Tampico ist, wie wir feststellten, ein weiterer Arsch der Welt – um Tampico herum gibt es gar nichts. Tampico selbst ist – wie wir ebenfalls feststellten – so ziemlich das Zentrum der mexikanischen Ölförderung und –verarbeitung. Und auch wenn die Förderung inzwischen weitestgehend eingestellt wurde, wird doch immer noch viel Öl rangekarrt und in den malerischen Raffinerien weiterverarbeitet. Weiterhin ist Tampico eine Art Touristenstrand – wenn auch nur für mexikanische Touristen aus der Gegend. An dieser Stelle sei gesagt, dass anscheinend auch Mexikaner den Wetterbericht checken, wenn sie an den Strand fahren. Gewisse Deutsche/Deutsch-Irakis allerdings nicht…

 

Nach eine sehr komfortabeln Fahrt(das ist ernst gemeint!) über Nacht kamen wir in Tampico/Ciudad Madero an. Sehr unspektakulär, auf jeden Fall dort, wo das Busterminal liegt. Wir nahmen also das erstbeste Taxi, um an den Strand zu fahren. Dort angekommen, dämmerte uns langsam, dass Tampico nicht der Urlaubsstrand Nummer Eins ist. Das Wetter war zudem ziemlich mies. Das folgende Bild ist recht aussagekräftig für den Zustand der Strandzeile(die übrigens zur Hälfte aus Baustellen besteht – nicht umsonst heißt das Motto von Tampico „Stark am Wachsen!“. Ich glaube jedoch, dass die Hälfte sowieso nie fertig wird):

 

 

Wir begaben uns also, von der hässlichen Strandzeile abgeschreckt, erstmal ans Meer. Rand bemerkte treffend an dieser Stelle: „Wo zum Teufel sind die ganzen Leute?“

 

 

Und wie kamen wir aus dem schönen Mexiko an diesen Nordseeverschnitt. Wo war die Sonne? Die schönen Frauen? Die Hitze? Alles schien sich in diesem Moment verdünnisiert zu haben. Während Rand anfing, kunstvolle Bilder zu schießen…

 

 

…konzentrierte ich mein künstlerisches Talent auf das Schaffen dieses kontemporären Kunstwerks!

 

 

Im Allgemeinen kann man feststellen, dass zu diesem Zeitpunkt in Tampico absolut der Hund verfroren war. Wir fragten uns natürlich, warum dem so war, schließlich war ein Haufen Händler eifrig damit beschäftigt, Verkaufsstände aufzubauen. Wem wollten sie den ganzen Rotz verkaufen? Den Arbeitern aus der Raffinerie? Oder diesem einsamen Mann auf seinem Fahrrad?

 

 

Aber es sind ja bekanntlich die suboptimalen Bedingungen, die einen guten Reisenden ausmachen und nicht All-Inclusive-Tage am Pool. Und da rumheulen allgemein nicht so unser Ding ist, fingen wir am Strand an zu planen. In den Strandstühlen, die zum Vermieten bereitstehen. War ja eh keiner da, um das zu kontrollieren – höhöhö.

Um unserer impulsiven Linie für diese Reise treu zu bleiben, entschieden wir uns kurzerhand dazu, ein Auto zu mieten. Also auf zum Flughafen (ja, Tampico hat einen) und zu den Autovermietungen. Nach einigem Feilschen machten wir dann ein Schnäppchen und mieteten uns einen dicken Chrysler für 900 Pesos (ursprünglich 1800 Pesos). Durchaus gehobene Mittelklasse – wenn schon, denn schon! Denn nobel geht die Welt zu Grunde.

 

 
Damit cruisten wir erstmal (an dieser Stelle noch ohne Plan) durch Tampico und noch einmal zum Strand – hier ein Foto von dem malerischen Boulevard, der einen direkt zum Traumstrand bringt. An besagtem Strand ist übrigens komischerweise ständig ein leicht stechender Geruch von Schwefel anzutreffen…

 

 

Aber jetzt Schluss mit der Meckerei, wir hatten ein Auto und waren fest dazu entschlossen, die Gegend zu erkunden. An dieser Stelle wussten wir ja noch nicht, dass es nahezu nichts zu sehen gibt! Also fuhren wir los, ab auf die Autobahn, erstmal über das – aus architektonischer Sicht – bestimmt interessanteste Bauwerk von Tampico: Eine prollige Brücke!

 

 

Und nach einem Stündchen Benzin verbrennen später kamen wir dann an eine Stelle, die in der Nähe einer Lagune lag. „Hey, lass uns doch mal die Lagune anschauen!“. Dummerweise lag die Lagune NICHT GANZ an der Autobahn, so dass wir eine etwas abgelegenere – ich sage an dieser Stelle mal „Landstraße/Feldweg“ – folgten. Wir konnten sie quasi schon sehen, diese vermaledeite Lagune, da kamen wir zu einer sehr…rustikalen Straße. Es hatte wohl auch schon einige Tage geregnet. Aber soooo schlammig sah sie jetzt auch nicht aus. Rand war am Steuer und hielt darauf zu. Kurz davor hielt es nochmal an, drehte sich zu mir um und meinte: „Soll ich da jetzt wirklich reinfahren?“. Professionell und im Sinne unserer impulsiven Reisetaktik antwortete ich: „Klar!“. Eine Minute später steckten wir ungefähr 15 Meter weiter im Schlamm fest, mit durchdrehenden Reifen. „Scheiße...!“.

Um es kurz zu machen…nach ca. 20 Minuten und mit der Hilfe eines mehr oder weniger schaulustigen Mexikaners, der an dieser Kreuzung mitten in der Pampa stand, waren wir wieder auf der Straße. Er und ich haben geschoben. Ich sah aus wie Sau, unser Auto sah aus wie Sau und roch wie die Kupplung nach meiner ersten Fahrstunde. Damit hatten wir die Lagune abgehakt und machten uns auf den Weg, vielleicht doch etwas anderes zu besichtigen! Leider kommt es auf den Bildern nicht annähernd so gut rüber, wie es wirklich war. Zum ersten Mal stellte sich heraus, dass die weiße Bonzenkarre wohl doch nicht die beste Lösung war…

 

 

 

Also weiter im Text. Irgendwann auf unserer Tour rund um Tampico kamen wir dann an folgendem Gebäude vorbei:

 

 

Sofort stellten sich uns folgende Fragen:

 

-         Was macht die BRD in der Pampa in Tampico?

-         Haben die Jungs vielleicht Schwarzbrot da?

-         Kann ich da mit Euro bezahlen?

Es stellte sich heraus, dass dort eine stinknormale Firma sitzt, die sich mit dem Hoheitszeichen unseres Landes schmückt. Ich habe danach mal etwas im Internet gesucht und bin fündig geworden: http://www.comvicsa.com.mx/

Da verhökert also irgendeine miese Firma Gas im Namen des Bundesadlers auf schwarz-rot-gold. Nun gut. Ohne Schwarzbrot fuhren wir weiter…

 

Nachdem wir die recht unspektakuläre Umgebung weitestgehend erkundet, die Karre einmal in den Dreck (und wieder heraus) gefahren und einen Haufen Benzin verbrannt hatten, erkundeten wir Tampico weiter. Als erstes statteten wir dem Zentrum einen Besuch ab…das war sogar recht nett, auch wenn das Hafenviertel durchaus einen neuen Anstrich gebrauchen könnte. So frage ich mich zum Beispiel WANN das Hotel „El Nuevo“ denn tatsächlich neu gewesen sein könnte.

 

 

Was man Mexiko allerdings lassen muss: Egal, wo man hinfährt, man kann sich sicher sein, dass es leckeres und billiges Essen gibt. Und so stärkten wir uns erstmal mit einer zünftigen Comida Corrida, bevor wir weitere architektonische Juwelen ausgruben. Es gab Schnitzel mit Pommes. Natürlich mit Tortillas, Chili, Frijoles, Reis und Limettensaft.

 

 

So gestärkt machten wir uns auf zu einer neuen Runde Erkundung, diesmal mit Hilfe einer Karte, die wir in einer Papelería kauften. Ich würde jetzt noch am liebsten zurück fahren und denen das Teil links und rechts um die Ohren schlagen, denn die Karte war echt grob fahrlässig. Zum einen gab es einige Straßen einfach nicht, die  da drauf waren und zum anderen stellten sich auf der Karte als riesige Hauptstraßen eingezeichnete Wege als ungeteerte Schlammstraßen im Ghetto heraus. Die Straßennamen von Tampico taten ihr übrigens: Warum muss es in einer Stadt viermal die „Calle Ocho“ geben?

 

 

Ich kann jetzt übrigens ohne schlechtes Gewissen behaupten, dass Rand und ich uns sehr gut in Tampico auskennen, auch wenn wir es auf die harte Tour gelernt haben! Falls jemand also mal einen Führer braucht, kontaktiert einfach einen von uns beiden. Wir haben zwar keine Tipps, was man in Tampico so machen sollte, dafür aber viele darüber, was man NICHT machen sollte. Zum Beispiel durch gewisse Viertel in einem bonzigen, weißen Chrysler fahren! ;-) Hier noch ein schöner Schnappschuss von der Polizei, die anscheinend auch nicht 100% auf Trapp ist:

 

 

Des Nachts suchten wir uns eine extrem billige Unterkunft – private Zimmervermietung in familiärer Atmosphäre am Schwefel-Strand – 100$(5€) pro Person pro Nacht im Doppelzimmer.

 

 

Nachdem wir der Besitzerin versichert hatten, dass wir weder trinken, rauchen noch Lärm machen würden, gingen wir erstmal was Essen und einen Trinken. Selbiges war gewohnt gut, und gut angeheitert kehrten wir so gegen 12 zurück. Zu unserer Freude hatte die Besitzerin sich entschieden, uns „internationale Studenten“ noch ihrem Mann vorzustellen. So saßen wir noch eine halbe Stunde mit denen und einem Bekannten zusammen und philosophierten über Reisen in den nahen Osten, Fußball, Sprachprobleme (mit praktischer Anwendung) und sonstig wichtige Themen.

 

Am nächsten Tag hatte das Wetter deutlich aufgeklärt und wir entschlossen uns, trotz der Abwesenheit von größeren Menschenmassen, den Tag am Strand zu verbringen – unser Bus ging abends. Auch wenn er immer noch an Nordsee erinnerte, war der Strand doch sehr schön, wenn auch gleichsam leer.

 

 

Nachdem Rand zum ersten Mal in seinem Leben Muscheln sammeln gegangen war und ich meine neue Kamera erfolgreich eingesandet hatte, entschieden wir uns spontan dazu, uns am Strand tierisch zu betrinken – mit freundlicher Unterstützung der praktischen 1,2 Liter Flaschen.

 

 

Dies ermutigte uns zur Komposition von weiteren künstlerischen Fotos, hier eins vom Meer und eins von unserer stets freundlich lachenden Begleitung:

 

 

 

Zu guter letzt hielt ich noch ein Gebäude fest, dass mich (trotz im Rohbau) stark an das Maschinenbau Gebäude in Darmstadt erinnerte. Mit einer Träne in den Augen verdrängte ich die Gedanken an Differentialgleichungen zweiter Ordnung und Gleichgewichtsbedingungen.

 

 

Am Abend besuchten wir dann recht dicht ein ziemlich dreckiges Lokal, in dem man ausschließlich gebratenes Hühnchen erwerben kann. War wir taten. Ich habe zwar nichts auf Video, aber ich kann versichern, dass der kulinarische Abschluss in Tampico von uns keinesfalls auf eine ästhetische Art und Weise verdrückt wurde. Nach dem Boarden unseres Busses fielen wir dann schnell in einen komatösen Schlaf und wachten am Morgen in Querétaro wieder auf.

 

Aber jetzt mal Spaß beiseite: So negativ dieser Bericht auch klingen mag, der Trip nach Tampico war wirklich interessant, wenn auch (oder vielleicht gerade weil) abseits aller touristischen Wege. Ich will dieses Drecksloch nie wieder sehen, aber kann nicht verneinen, dass es eine echte Erfahrung war. Hätten wir nur nicht so viel Geld für Blödsinn ausgegeben… ;-)

Was war zuerst da? Wie wir alle wissen, war aus der Sicht der Evolutionstherie zuerst das Ei mit mutiertem Genmaterial da! Andere Fragen jedoch lassen sich nicht so leicht beantworten. Des öfteren diskutiere ich hier am TEC eine andere Fragestellung mit ähnlich philosophischer Reichweite: Einer meiner Kommilitonen hier, Santiago, war selber für ein Jahr in Deutschland, er weiß also wie die Deutschen so ticken und ist demnach der einzige, der überhaupt versteht warum ich brummig in der Ecke sitze während unsere Gruppe mal wieder nur Scheiße macht anstatt zu arbeiten. Santiago sagt also immer:

 

„Die Mexikaner sind viel kreativer als die Deutschen und müssen deswegen nicht so übertrieben planen!“

 

An dieser Stelle muss ich zugeben, dass vielen Mexikaner das Improvisieren eher liegt als zumindest dem durchschnittlichen Maschinenbau-Studenten. Trotzdem finde ich einer - meiner Meinung nach logischere Antwort - auf diesen Satz.

 

„Die Mexikaner müssen kreativer sein, weil sie nicht in der Lage dazu sind, zu planen und zudem gerne noch stinkefaul!“

 

Man mag sich nun im Sinne der Henne und ihres Eis fragen, wer hier richtig liegt, wahrscheinlich ist an beiden Aussagen etwas dran. Fakt ist auf jeden Fall, dass es dieses Semester nicht immer einfach war für mich, mit meinen Teams zusammen zu arbeiten, besonders in einer Klasse.

 

Teamarbeit im Maschinenbau in Deutschland funktioniert ungefähr so:

Alle kommen zusammen, man quatscht 5 Minuten, man bespricht worum es geht, man sichtet die Arbeit, man teilt sie ein, man vereinbart Termine und dann fängt man an zu arbeiten. Das klingt jetzt natürlich nach Idealfall und läuft nicht immer so perfekt, im Grunde ist es aber die übliche Vorgehensweise.

 

Teamarbeit in Mexiko funktioniert ungefähr so:

Alle kommen zusammen und quatschen erstmal eine Viertelstunde über dies und das. Dann spricht man kurz über das Thema und beschwert sich darüber wie mies und kompliziert es so ist. Dabei fällt ungefähr dreitausend Mal das Wort „Alter“ („guey“). Dann spricht man nochmal eine halbe Stunde über dies und das. Dann beschwert man sich wieder über die Arbeit. Dann spricht man eine Viertelstunde über absolut nichtige Details des Projektes. Dann wieder eine Viertelstunde Smalltalk. Dann bemerkt man kollektiv, dass man vielleicht die Arbeit aufteilen sollte. Man beginnt mit der Aufteilung, bleibt dabei aber gleich am ersten Arbeitspaket hängen (Stichwort: „Aufmerksamkeitsspanne eines Fünfjährigen“) und diskutiert 15 Minuten unwichtige Details (zu sechst natürlich). Dann folgen weitere 15 Minuten Smalltalk und am Schluss stellt man fest, dass man nichts geschafft hat, die Arbeit alleine Zuhause machen muss und sich umgehend nochmal treffen sollte. Die Arbeit wird dann hektisch aufgeteilt (während die Hälfte schon geht), ohne dass irgendjemand eine Ahnung davon hat, was er eigentlich wirklich machen soll. Beim nächsten Treffen erscheinen zwei Leute nicht, zwei haben absolute Scheiße produziert und zwei haben genau das gleiche bearbeitet. Man einigt darauf, dass es trotzdem irgendwie funktioniert. Es bleibt einem auch gar nichts anderes übrig, da besagtes Treffen ungefähr fünf Sekunden vor der Abgabe/Präsentation ist.

 

Das ist jetzt vielleicht eine ein bisschen überzogene Version, trifft des Pudels Kern doch aber ganz gut - auch wenn ich eine in dieser Beziehung wohl sehr mexikanische Gruppe hatte. Wer mich kennt, weiß, dass mich so etwas verrückt macht. Nach einer gewissen Zeit, vielen Treffen und einigen Abgaben später hatte ich dann die Schnauze voll und habe mich nicht mehr beschwert sondern mich mexikanisch angepasst. Die vorherrschende Denkweise ist: „Das machen wir morgen, das klappt schon irgendwie, das geht schon“. Naja, manchmal geht es dann auch nicht und so waren unsere Engabgaben und Präsentation ziemlich mies, was mich dann aber auch nicht weiter stört. Ich habe auf jeden Fall etwas gelernt.

„When in Rome, do as the Romans do“.

When in Mexico, tritt den Mexikanern trotzdem in den Arsch wenn sie faul sind, auch wenn du dich dabei wie der Buhmann fühlst – wenn du willst, dass aus dem Projekt etwas wird!

 

Um das ganze Negative mal zu relativieren: Ich habe auch eine andere Gruppe gehabt, die sehr gut funktioniert hat, ebenfalls mit Santiago und dazu Francois, einem Austauschstudenten aus Frankreich. Hier mal ein Foto von den beiden Kollegen beim Arbeiten. Es sieht tatsächlich sehr fleißig aus!

 

 

Am Anfang hat Francois ziemlich oft gefehlt bei unserem Gruppentreffen.

 

„Francois, wo warst du gestern?“ – „Tut mir echt leid, ich hab es nicht geschafft aufzustehen, weil ich am Abend vorher Saufen war!“ – „Aber wir haben uns um 14 Uhr getroffen?!?“ – „Ja, ich weiß…“

 

Trotzdem hat am Ende alles gut geklappt und bei unserem letzten Treffen haben wir Francois, den Unaufstehbahren, erstmal um 8 Uhr morgens mit einer riesigen Tasse Kaffee anderthalb Stunden warten lassen, unabsichtlich. Das war dann wohl die Retourkutsche.

Und obwohl die Gruppenarbeit gut geklappt hat, war es doch bis zum Schluss noch spannend. Wir sollten unsere Abgabe um 7 Uhr (Abends) abgeben, der Professor lies gerade eine Klausur schreiben, ab 7 Uhr, Dauer: 2 Stunden. Um 8:30 waren wir dann in besagtem Klassenraum, wo uns die Putzfachkraft mitteilte, dass der Prof gerade vor 5 Minuten gegangen war. Scheiße. Diese Abgabe war Vorraussetzung für die Teilnahme am Abschlussexamen, also Vorraussetzung für das Bestehen des Kurses. Wir öffneten unseren Email Account und sahen eine Mail vom Prof, die sinngemäß sagte: „Team XY, was soll die Scheiße, warum habt ihr nichts abgegeben, ich erwarte Erklärung, das gibt Haue!“. Man muss dazu sagen, dass der Prof trotzdem sehr cool und kulant ist. Nach einigem Suchen auf dem Campus haben wir dann jemanden gefunden, der die Nummer von jemandem hat, der die Nummer vom Prof hat. Santiago hat also bei ihm angerufen und er meinte nur „Ja, ich bin jetzt gerade in der Mall, bin noch zehn Minuten hier, ihr könnt mir hier euer Projekt abgeben“. Wir sind also mit dem Auto zur Mall geballert und haben dort unseren Prof beim Shoppen aufgestöbert. Happy End, auf die mexikanische Art und Weise, - in Deutschland kann ich mir das nicht gerade vorstellen.

 

Ich schreibe auf jeden Fall nur noch ein Examen morgen, und dann bin ich durch. Kurse für das nächste Semester habe ich schon gewählt, ratet mal was ansteht: Teamarbeit. Ich habe eine Projektarbeit gewählt, an der man ein halbes Jahr arbeitet. Ich sehe jetzt schon, dass wir alles in der letzten Woche machen!

 

Trotzdem möchte ich nochmal erwähnen, dass die Uni hier klasse ist. Es steht für mich immer noch aus, einen Eintrag über das TEC in Querétaro und dessen Eigenheiten zu verfassen. Deshalb an dieser Stelle nur folgendes Bild:

 

 

Zu Weihnachten ist der Campus richtig schick gemacht, mit Tannebaum, Beleuchtung und Rentieren auf dem Rasen. Auch bei 25° Celsius. Man merkt dann doch deutlich den Unterschied zu TUD und ihren (ehemaligen) Tropfsteinhöhlen. Und es gibt auch noch einen weiteren Unterschied (besonders zur TUD). An dieser Stelle also für alle Maschinenbauer, die mit dem Gedanken spielen, einen Austausch hierher zu machen: ein Foto von den Teilnehmern meines Spanischkurses – ein Foto sagt oft mehr als Worte! ;-)

 

  

 


Was haben Mojitos und verbrannte Bäuche gemeinsam? Das eine bedingt das Andere, wie Rand feststellen durfte. Also abseits der eigentlich Geschichte ein kurzer Ratschlag: Wenn man Limettensaft auf der Plauze hat und damit in die Sonne geht, kommt nichts Gutes raus!

 

Aber von Anfang an: Letztes Wochenende haben wir endlich den Plan realisiert, an einem Strand zu faulenzen. Wir, das bedeutet: Rand, Fer, Alan, Maribel, Ari und ich. Die Unbekannten sind Freunde von Fer. In dieser recht dunkel gebräunten Gruppe (da die anderen Mexikaner sind und Rand aus dem Irak, war ich das einzige Bleichgesicht) haben wir uns am Wochenende der Brückentages (PUENTE!!!) auf den Weg zum Strand „La Llorona“ gemacht. Dieser liegt im Staate Michoacan, nahe der Stadt Tecomán. Das ist – wie ich feststellen durfte – ganz schön weit weg; hat sich aber gelohnt. Die Planung haben wir sehr mexikanisch gestaltet: Zwei Wochen vorher haben wir angefangen zu planen und dann am Abend vorher, so gegen halb 12, alles nochmal umgeschmissen und umgeplant. Hat aber trotzdem funktioniert!

 

Die erste Herausforderung stellte die Reise dar. Am Freitagmorgen sind wir losgezogen, in einem kleinen Van – geliehen von Fers Eltern. Eigentlich wollten wir mit Fers Auto fahren, was aber – Gott sei Dank – ein Problem mit den Bremsen hatte. In dieser kleinen Kiste wären wir auf jeden Fall verreckt zu fünft (und später zu sechst). Wir haben uns zu fünft in Richtung Mexiko (Stadt) aufgemacht um dort Ari (eine Freundin von Fer aus Querétaro, die dort studiert) abzuholen. Was wir nicht wussten bzw. erst spät erfuhren: Mit dem Van konnten wir an besagtem Tag nicht nach Mexiko Stadt reinfahren – man könnte es eine Art Klimaschutzbestimmung nennen. Ich glaube jedoch, dass die Maßnahmen zur Smogreduzierung eher dazu dienen, das akute Wegsterben der Bewohner zu verhindern. Ari musste also einen Bus nehmen, nach langem Hin und Her am Telefon stand der folgende Plan: Ari nimmt den Bus nach Guadalajara, wir picken sie da auf und fahren zusammen zum Strand. Einziger Haken: Die Busfahrt dauert verdammt lange und wir waren schon auf dem Weg. Um die Zeit totzuschlagen, haben wir einen Abstecher nach Morelia gemacht. Eine wirklich schöne Stadt mit schönem Zentrum, wo wir uns kräftig den Bauch vollgeschlagen haben. Danach sind wir noch ein bisschen durchs Zentrum gerollt (so vollgefuttert waren wir) und haben einen Fußball gekauft. In Guadalajara angekommen, durften wir feststellen, dass Aris Bus Verspätung hatte. Super. Wir haben also einige Stunden auf dem Parkplatz von Guadalajaras Busbahnhof verbracht, Tacos gegessen, Fußball gespielt und Erfrischungsgetränke zu uns genommen.

 

 

Als Ari dann endlich ankam (so gegen 12 Uhr nachts) haben wir erstmal eine Runde im Bus gepennt, weil wir alle zu platt zum Fahren waren. Um vier Uhr morgens sind wir dann Richtung Strand durchgestartet und kamen vormittags – immer noch „VAMOS A LA PLAYA“ singend – endlich am ersehnten Ziel an: La Llorona. Und obwohl die Reise lang war (24 Stunden), hatte es sich gelohnt. Der Strand war wirklich traumhaft. Bei La Llorona handelt es sich um einen so genannten „playa virgen“. Das heißt zwar leider nichts, dass dort lauter knapp bekleidete Jungfrauen rumlaufen, dafür aber, dass der Strand jungfräulich ist. Das bedeutet: Keine Bettenburgen, keine Fressbuden, kein mit Liegen und brutzelnden Touristen vollgestellter Strand. Es gibt es nur Möglichkeiten zum Campen, inklusive Toiletten und Duschen – für 2 Euro pro Tag. Alles allerdings sehr improvisiert und einfach gehalten, was gleichermaßen den Charme ausmacht. Der Strand sieht so aus:

 

 

Aus meiner Sicht sah er die meiste Zeit so aus:

 

 

Mit anderen Worten: Nach dem Aufbauen unserer Zelte gingen wir zu der Strandroutine über. Das bedeutet: Entweder im Meer schwimmen und sich von den Wellen im Schleudergang herumwirbeln lassen oder faul in der Hängematte liegen (die man dort für einige Pesos erstehen kann). Ersteres war sehr spaßig, aber anstrengend – die Wellen waren ziemlich kräftig, der Pazifik hat halt doch mehr Power als das Wattenmeer oder ähnliche deutsche Äquivalente. Zweiteres war sehr entspannend und ich kann nur sagen, dass sich die Investition in eine Hängematte definitiv gelohnt hat. Bilder sagen manchmal mehr als tausend Worte…

 

 

 

Da der Alltag dann doch recht hart war, mussten wir ihn uns natürlich irgendwie erträglich machen. Und auch wenn es so einige Hippies an dem Strand gab, lag der Alkohol nahe. Wir entschieden uns für einen konstant gemäßigten Mojito-Konsum.

 

 

Für Mojitos braucht man Minze und Limettensaft. Um massenweise Limetten auszudrücken, braucht man Kraft. Und wo gehobelt wird, da fallen Späne. Obwohl ich eigentlich beim Mischen von Longdrinks immer an vorderster Stelle stehe, haben diesmal Rand und Alan die Barkeeper gemimt. Alan hatte Erfahrung mit Mojito, Limetten und Sonne, Rand nicht. Und deswegen den Oberkörper voller Spritzer von Limettensaft…und dementsprechend Sonnenbrand. Also nochmal explizit: Bitte nicht nachmachen, Kinder. Limettensaft + Sonne = hässliche Flecke!

Ein anderes Grundnahrungsmittel waren die Versorgungsrationen, die der Eisjeep gebracht hat. Eigentlich herrscht an dem Strand Fahrverbot(Schildkröten und Kinder…und Kinder von Schildkröten!), es gibt jedoch einen geschäftstüchtigen Mexikaner, der mit einem Jeep voll mit Eis das Meer entlang brettert und „nieves“ und „helado“ für wenige Pesos unter die Leute bringt. Äußerst lecker. Wer in Mexiko war und kein Guayaba-Eis gegessen hat, hat was verpasst!

 

 

Die Kleinigkeiten, die wir noch zusätzlich brauchten, besorgten wir in einem Mini-Supermarkt in einem nahegelegenen Pueblo. Der war dekoriert mit selbstgemachten Werbeplakaten, auf denen diverse Kinder und Jugendliche – ich schätze mal die gesamte Sippschaft der Besitzer – zu eingängigen (selbstgedichteten) Slogans die bereitstehende Produktpalette anpreiste. „Miguel isst ein KINDER-Bueno, weil es einfach köstlich schmeckt. Kaufe KINDER-Bueno!“. Hier ein Beispiel:

 

 

 

Im gleichen Dorf gab es auch ein Restaurant, in dem wir unsere täglichen Quesadillas zu uns nahmen. Sehr simpel, aber sehr lecker. Geschmissen wurde der Laden mehr oder weniger von den Kindern der Besitzerin, die äußert fleißig wuselten, bedienten und Bestellungen aufnahmen. Allgemein kann man sagen, dass die Kinder deutlich fleißiger sind als die Erwachsenen - auf jeden Fall in Michoacan. Auch wenn ich mir bessere Ferienjobs (auch sie hatten Brückentag) vorstellen kann, als besoffene Camper zu bedienen... Quesadillas kann man übrigens zu jeder Tageszeit essen, zum Frühstück, zum Mittag und auch zum Abendessen und so kriegten wir die Tage rum, ohne unsere massiven Thunfisch-Reserven anzubrechen (die ich sowieso nicht anbrechen würde, weil ich davon eher einen Brechreiz kriege).

 

Nach (auf meiner Haut) gefühlten 6 Stunden Sonne zuviel – es kristallisierte sich schnell heraus, dass das Sonnenpensum meiner gebräunten Mitcamper für mich irgendwie ungeeignet war – senkte sich dann die Sonne über La Llorona. Ich habe mit meiner neuen Kamera (natürlich mit dem alles in Rot tönenden Sonnenuntergangs-Modus) selbigen Moment festgehalten. Eigentlich habe ich ein noch besseres Foto, aber da steht mitten im Bild ein dicker Mann, der gerade das gleiche Foto schießt – man sieht die Silhouette perfekt. Irgendwie ist mir das in dem Moment nicht aufgefallen…

 

 

Auch nach Dunkelheitsanbruch haben wir uns in das nahegelegene Pueblo begeben, um ein paar Quesadillas oder auch Tacos zu uns zu nehmen. Beim Essen begegnete uns ein Draufgänger aus der dortigen Dorfjugend – Alejandro! Da Alejandro gerade noch ein Tick zu jung war um im Restaurant zu arbeiten, cruiste er lieber mit seinem heißen Gefährt durchs Dorf. Um Streit mit seiner Clique zu vermeiden, habe ich es unterlassen, ihm zu sagen, dass sein pinkfarbenes Barbiemobil nicht gerade cool ist und dass er vielleicht mal bei West Coast Customs vorbeischauen sollte um ein paar Flammen drauflackieren zu lassen. Außerdem: Wer weiß? Andere Länder andere Sitten! Wir haben auf jeden Fall eine Runde mit Alejandro geplaudert, er hat an unserem Tisch ein kleines Schläfchen gehalten und ist dann wieder zurück zu seiner Gang. Wir haben uns Tacos reingeschaufelt.

 

 

Auf dem Rückweg zum Strand kamen wir dann auf die Idee, dass man ja eigentlich ein Lagerfeuer machen müsste. Wir haben eine Menge Holz gesammelt, das sich  beim Entzünden als recht nass herausstellen sollte. Obwohl es (nach längeren Versuchen) tatsächlich etwas brannte, haben wir doch eher die größte Rauchkerze von La Llorona entfacht. Ich bin immer noch erstaunt darüber, dass es die anderen Leute so lange in unserem Rauchschatten ausgehalten haben. In unserer zweiten Nacht haben wir dann natürlich trockenes Holz gesucht. Wir hatten allerdings nicht besonders viel Lust, lange zu suchen, so dass wir im Endeffekt eine Menge Reisig und ein bisschen Holz gesammelt haben. Es hat allerdings gereicht, denn nach einigen Mojitos und einer Shisha sind wir kollektiv am Rand unseres ausglühenden Feuerchens am Strand eingeschlafen.

 

 

Aber jetzt mal zum Strand an sich, ich will ja auch ein bisschen Werbung machen. Ein Highlight für mich als Schildkrötenfreund waren natürlich die Schildkröten, die am Strand vorbeischauen um ihre Eier zu verbuddeln. Natürlich im Schutz der Dunkelheit, Fotos habe ich keine gemacht. Daneben haben Rand und ich nachts noch eine Schlange gefunden, die halb im Wasser lag. Wir haben sie mangels Croc Hunter Fähigkeiten nicht weiter identifiziert. Sie war aber recht groß… Tagsüber gab es im Meer auch ab und zu was zu sehen: Schildkröten, dicke Fische und in der Ferne auch Delfine ziehen ihre Runden an der Küste. Mein Plan war eigentlich, sich zwei Schildkröten zu schnappen und sich von denen bis nach Hawaii ziehen zu lassen. Als Gastgeschenk wollte ich mexikanisches Bier mitbringen. Leider sind die Biester recht flink, so dass sich die Idee nicht realisieren lies.

Leider bin ich kein großer Landschaftsfotograf, aber die Schönheit von solchen Orten kann man ja meistens eh nicht festhalten. Trotzdem an dieser Stelle zwei Bilder, die ganz gut geworden sind:

 

 

 

Nach einem kleinen Spaziergang kam man von unserem Zeltlager auch zu einer sehr schönen, kleinen Bucht, an der das Meer nicht so reißerisch war. Erst konnte ich meinen Augen gar nicht trauen, es lagen NUR Frauen am Strand! Mir dämmerte später, dass diese wohl Reißaus genommen haben mussten, als eine Kolonne zugedröhnter, bierdosenschwingender mexikanischer Arschproleten ihren Weg in die Bucht gefunden hatte. Die Mädels fanden es auch nicht ganz witzig und blickten im Angesicht von so viel Charme eher angenervt drein. Ich habe natürlich ungeachtet dessen eine Baywatch-Routine durchgezogen. Leider sind die Bilder in Bewegung etwas unscharf geworden, sonst hätte ich sie an dieser Stelle natürlich geteilt! ;-)

 

 

Um den sportlichen Aspekt des Urlaubs hinzuzufügen, bin ich dann noch ein paar

scharfkantige Felsen hochgeklettert. Man beachte bitte, wie sich meine schweinchenfarbene Haut vom Felsen abhebt. Ausgelaugt von dieser Aktivität musste ich mich umgehend wieder zurück in meine Hängematte begeben.

 

 

 

Um diesen Bericht abzuschließen: Wir haben den Brückentag wirklich gut genutzt und hatten einen tollen Ausflug an den Strand. Zwar mit langer Fahrt, aber das gehört ja dazu! Nicht zuletzt wurde der Kurzurlaub gut, weil wir eine echt gute Truppe hatten, von der ich leider nur die zwei folgenden Gruppenbilder habe. Campen am Strand – dem kann ich nur meine ausdrückliche Empfehlung aussprechen. Und jetzt hängt die neue Hängematte bei mir unglücklich an einem Nagel an der Wand und wartet auf den nächsten Einsatz. Zum Glück sind ja bald Ferien!

 

 

 

Zu guter letzt will ich ein Bild von der Rückfahrt nicht vorenthalten: Den Snack von Ari, Fer und Maribel. Wir hatten ja noch Thunfisch, Tostadas und Bohnenmuß übrig. Ich habe mich für Bohnenmuß entschieden. Ari hatte glücklicherweise noch Grashüpfer dabei. Hmmm… In der folgenden Diskussion wollte sie mir weismachen, dass Grashüpfer viel sauberer sind als zum Beispiel Schweine, weil sie ja nur Pflanzen essen. Und dass es eigentlich viel merkwürdiger sei, Muskelfleisch von großen Tieren zu essen. Eloquent konterte ich, dass man bei den Grashüpfern deren Hirn, Därme und Scheiße mitfräße. Der Rest der Zeit ging dafür drauf, zu erklären, was Chitin ist. Am Schluss musste ich versprechen, irgendwann während meines Aufenthalts nochmal ein geröstetes Insekt zu probieren. An dem Abend habe ich jedoch dankend verzichtet – wohl bekomms:

 

 

 

 

 

 

 

 

…das alles gab es letztes Wochenende. Aus motivationstechnischen Gründen ist mir die chronologische Reihenfolge der Berichterstattung an dieser Stelle schnuppe.


Was ist also passiert: Im Moment (am 2. November war das Finale) ist in Mexiko „Dia de los Muertos“. An diesem Tag beziehungsweise in den Tagen davor feiert man in Mexiko die Toten – im Gegensatz zu unserer Kultur ist das Gedenken dabei kein Trauern, sondern mehr eine große Party. Aber eigentlich will ich hier nicht groß die Kulturkeule auspacken. In diesem Sinne eine kurze Zusammenfassung:

Im Zuge des Dia de los Muertos werden haufenweise Süßigkeiten verkauft (gut, das werden sie sonst auch hier…), alle in Bezug auf die Toten. Zum Beispiel Schädel aus Zucker oder aus Schokolade. Hier zwei kleine Beispiele von Ständen auf der Straße:

Eine weitere Besonderheit ist das „Pan de muertos“ – das Brot der Toten. Wie die viele andere Sachen hat diese Tradition ihre Wurzeln in der indianischen Bevölkerung hier und soweit ich weiß, hatte das ganze damals auch noch mehr mit echten Toten zu tun… Heute isst man jedenfalls besagtes Brot (ein süßes Hefebrot, das mit Zucker bestreut ist) im Zeitraum des Festivitäten. Also im Prinzip isst man die Toten und macht sich so über den Tod lustig. Oder so was in der Art! ;-)

Auch an der Uni gab es Pan de Muertos und Schokoschädel – die Leute vom Austauschbüro hatten für jeden einen Schädel mit unserem Namen drauf parat. Das ist ebenfalls eine Tradition hier – seinen Freunden ihren eigenen Schädel zu schenken. Meiner hat auf jeden Fall gut geschmeckt.

Etwas spektakulärer ist die Tradition der Altäre, die im Rahmen dieses Festes aufgebaut werden. Auch wenn die mexikanischen Traditionen hier – wie in vielen anderen Ländern auch – immer mehr in Vergessenheit geraten und in diesem Fall von US-amerikanischer Halloween-Scheiße verdrängt werden, praktizieren doch viele Mexikaner noch das Aufstellen eines Altars für die Verstorbenen der Familie. Von offizieller Seite wird versucht, das ganze wieder zu beleben und so gab es auch am TEC einen Wettbewerb um den schönsten Altar. Im Prinzip funktioniert das Ganze so: Man baut für eine (oder mehrere) Personen aus seiner Familie (logischerweise Verstorbene) einen Altar auf, um zu erinnern und um den Verstorbenen etwas anzubieten: Essen, Trinken, Geschenke. Die Idee ist, dass die Verstorbenen an dem Tag der Toten zurückkehren ins Reich der Lebenden. Das ist aber etwas Positives und nicht etwas eine Heimsuchung, deswegen legt man Onkel Pedro eben was Leckeres zum Futtern auf den Altar. Einige Regeln sind dabei festgelegt und grundlegend:

·         Es muss ein (Ab-)Bild von der Person auf dem Altar sein

·         Es muss ein Bild eines/einer Heiligen präsent sei

·         Es muss Wasser bereitstehen, damit der Tote erstmal was trinken kann, wenn er ankommt. Tote sind bekanntermaßen durstig.

·         Es muss ein paar Kerzen geben. Damit besagter Rückkehrer den Weg auch findet und nicht aus Versehen die Enchiladas vom Altar von nebenan wegspachtelt.

·         Eine Art Räucherstäbchen vertreiben böse Geister. Wer genau das sein soll, weiß ich nicht, da der Tote selbst ja schon ein Geist ist. Wahrscheinlich der fiese Nachbar von Nebenan.

·         Und und und…

Neben dem Beachten dieser Regeln sollte man den Altar mit einer bestimmten Art Blumen schmücken (saisonales Schnittgut mit indianischem Namen den ich an dieser Stelle nicht ausschreiben kann) und die Sachen drauflegen, die an den Toten erinnern oder die er besonders gern hatte. Auf meinen Altar kämen danach ein Zahnrad, ein paar Boxhandschuhe, Omas Zuckerguss-Preiselbeerkuchen, eine Flasche Havanna Club und eine Portion von Papas Pasta. Generell gilt: Kinder kriegen Spielzeug und Süßes, Erwachsene Schnaps und Zigaretten – oder so ähnlich. Hier zwei Bilder von „offiziellen“ Altären aus der Innenstadt. Ich habe mir jedoch von Insidern sagen lassen, dass es sich dabei um absolute Kinderkacke handele und die Altäre in Mexiko City VIEEEEL größer wären…

Generell wird der Tag der Toten in anderen Gegenden spektakulärer zelebriert als hier in Mexiko. Leider konnte ich aus mannigfaltigen Gründen nicht rumreisen dieses Wochenende, so dass mir nur blieb, das Ganze hier in Querétaro zu betrachten. Aber wie heißt es so schön auf der traditionellen deutschen Einladung: „Für das leibliche Wohl ist gesorgt.“ Und da Querétaro in Mexiko liegt, gilt das auch hierzulande in vollstem Umfang. Im Stadtzentrum war ein kleiner Markt aufgebaut, der diverse Fressalien bereit hielt. Und ich würde nicht Christian Passow heißen, wenn ich mir auf besagtem Gelände nicht die Wampe vollgeschlagen hätte…

Am Samstag war dann einer der Gründe, warum ich nicht reisen konnte: Die Tanz-Präsentationen standen an. Das TEC veranstaltet jedes Semester eine Art Infomesse, wo bonzige Mexikaner über den Campus schlendern und darüber sinnieren können, ob sie ihre Liebsten denn auf diese Uni schicken wollen oder nicht. Selbige sacken dabei an jedem Institut Geschenke ein. Bei der Lebensmittelverarbeitung gab es lecker selbstgemachtes Eis. Zur allgemeinen Belustigung gibt es vom Morgen an ständig Präsentationen der Kultur-Klassen: Theater und natürlich auch Tanzen. Und das sind einige. Auch ich war mit meinen zwei Salsa-Klassen am Start und habe eine flotte Sohle aufs Parkett gelegt. Bei der ersten Aufführung mit einigen Fehlern (Sorry Briana!), bei der zweiten lief es wie geschmiert. Lag wohl daran, dass wir in der zweiten das deutlich schickere Outfit hatten – Chicago-Gangster-Hut und goldene Krawatte. Um das zu verdeutlichen, hier ein paar Bilder: Einmal mit Joana, meiner Tanzpartnerin aus der einen Klasse (die gerne mal versucht zu führen - ich hab es aber inzwischen gut im Griff! Oder, Joana?), einmal mit der ganzen anderen Tanzgruppe und ein Foto mit zwei guten Freunden, Rand (aus Darmstadt) und Julio (der inzwischen seinen Bart abrasiert hat und nicht mehr aussieht wie ein Taliban).

Bleibt also nur noch die Frage, was es mit North Carolina auf sich hat? Ganz einfach, diesem Bundesstaat stehe ich näher als ich je gedacht hätte. Neulich war ich im Büro von „Programas Internacionales“, um mein Visum abzuholen. Montserrat (eine der Angestellten da) legte mir noch nahe, zu überprüfen ob mein Name richtig geschrieben sei – es war vorher schon aufgefallen, dass in ein paar Namen Buchstaben vergessen oder verdreht wurden. Na gut, dachte ich mir und nahm das Pass-artige Büchlein zur Hand:

-         Name? „Christian Passow“ – richtig

-         Nationalität? „Alemana“ – richtig

-         Geburtsdatum? „06.04.86“ – richtig

-         Geburtsort? „North Carolina, USA“ – bitte???

 

Ich habe wirklich keine Ahnung, welcher verpennte, crackrauchende Beamtendödel im Immigrationsministerium sitzt und die Visa ausstellt, aber Fakt ist, dass bei einem Haufen von den Austauschstudenten die Namen falsch geschrieben sind. Na gut, dafür ging die Ausstellung auch im Express von Statten und hat gerade mal zwei Monate gedauert. Gefühlt gibt es mehr falsche Visa als richtige. Wobei ich die Kombination „Deutsch“ und „North Carolina“ besonders heiß finde. Aber es ist ja auch nicht einfach zu erkennen. Mexikaner, die mich sehen, halten mich oft für einen Amerikaner. Mexikaner, die mich sprechen hören, halten mich oft für einen Franzosen, da mein Akzent nicht polternd genug ist. Mexikaner, die mit mir arbeiten müssen, merken glaube ich recht oft, dass ich deutsch bin. Ist aber auch ein Sauhaufen hier! Wenn wir an der TU wären, hätte ich den Leuten aus meiner Arbeitsgruppe schon kräftig in den Arsch getreten! ;-)

Wie dem auch sei, ich habe mich jetzt mal so erkundigt, was es für Städte in North Carolina gibt und habe mich dafür entschieden, in Nashville geboren zu sein, das klingt eigentlich recht cool. Montserrat hat mir das Visum dann mitgegeben und gesagt, dass sie mit dem Anwalt reden und mich benachrichtigen würde, falls mit dem Visum nochmal was gemacht werden muss. Ich schätze mal, dass das dann weitere 2 Monate dauern würde. Wahrscheinlich wird nichts geändert. Ich sehe mich jetzt schon am mexikanischen Zoll in Handschellen und/oder Schmiergeld zückend. „Joven, willst du uns verarschen? Deine Papiere stimmen hinten und vorne nicht!!!“. Hier nochmal ein Foto zum Beweis:

 

Damit erstmal genug der Berichte fürs erste! Bis die Tage & viele Grüße,

Chris

 

 

 

 

 

Dieses Wort trifft den Kern eines der letzten Wochenenden wohl ganz gut! Eigentlich sollte dieser Artikel hier „Puenting“ heißen, dazu kam es aber leider nicht. Aber alles der Reihe nach:


An besagtem Wochenende habe ich mich mal wieder einigen Leuten unserer Kletterklasse (und weiteren) sowie unserem durchgepeitschten Kletterlehrer angeschlossen. Ziel des Wochenendes war es, „Puenting“ zu betreiben. Puenting gehört in die Kategorie ‚adrenalintreibende, leicht bekloppte Extremsportarten’  und unterscheidet sich vom Bungee-Jumping dadurch, dass man nicht an einem elastischen, sondern einem relativ starren Seil hängt und nicht gerade runter springt sondern eine kreisförmige Bahn beschreibt – im Idealfall. Weiterhin springt man typischerweise von einer Brücke, daher auch der Name (el puente – die Brücke). Mir schien das ganze ziemlich attraktiv, daher schloss ich mich an. Der Plan war also, zu einem sonnigen Campingplatz in der Sierra Gorda (in der Nähe von Jalpan) zu fahren, dort easy von der Brücke zu springen und die schöne Landschaft zu genießen. Soweit der Plan, soweit – so gut. Es sollte jedoch etwas anders kommen…

 

Ich fand mich Samstag Morgen um 6 Uhr bei Alf Zuhause ein („wir fahren um 6 Uhr los, also sei etwas früher da…“) und war der Zweite, der erschien. Der erste war Francisco, der gerade von einer Party kam, noch halb besoffen war und Alf’s Dusche okkupierte, als ich ankam. Also eher aus Versehen pünktlich. Später sollte er in der kurvigen Sierra Gorda auf einem Parkplatz in die malerische Landschaft, genauer gesagt in einen malerischen Busch, kotzen. Aber zurück zum Geschehen. Wir sammelten Equipment in Alf’s sehr gut geordnetem Haushalt (der hauptsächlich aus Kletterkram besteht) zusammen und packten alles ins Auto. Im Laufe der Zeit trudelten dann auch die anderen Mexikaner ein – zusammen waren wir ca. 20 Leute. Um 7 Uhr fuhren wir dann los, gut gelaunt und in Richtung Sierra Gorda.

 

Das Wetter trübte sich deutlich ein, damit auch ein wenig die Stimmung (abgesehen von Francisco, der sowieso jenseits von gut und böse war). Auf dem Weg haben wir erstmal gestoppt um zu frühstücken: Carnitas auf Taco. Das ist Schweinefleisch, das lange in riesigen Kesseln an der Straße gekocht wird. Der Geruch (und Anblick) haut einen an Müsli gewöhnten Mitteleuropäer um 8 Uhr morgens leicht aus den Socken, geschmeckt hat es aber gut. Man sagte mir, gerade bei Kater wäre das Frühstück sehr gut. Schade, dass Francisco im Auto gepennt hat und nichts vom Essen mitbekommen hat. Später war er leicht entrüstet, als er erfuhr, dass wir zum Frühstücken gestoppt hatten. Noch mehr, als wir ihm mitteilten, dass wir ihn auch gefragt hatten…

Um es kurz zu machen: Es hat den ganzen Samstag wie aus Kübeln geschüttet, was unseren Plänen einen leichten Strich durch die Rechnung gemacht hat. Und mit geschüttet meine ich auch geschüttet. Bevor wir bei der Brücke ankamen, haben wir erstmal einen Zwischenstopp bei einem Wasserfall gemacht. Nach den 10 Minuten Fußweg dahin waren wir alle Klitschnass bis auf die Knochen – ich auch trotz Regenjacke. Und obwohl es verdammt kalt war, bin ich dementsprechend unter den Wasserfall gesprungen! Das war auch ziemlich cool und gar nicht so kalt – die Zeit danach jedoch schon. Innerlich auf Sonne eingestellt, hatte ich auch nicht besonders viele Klamotten zum Wechseln eingepackt. Dementsprechend sollte ich den Rest des Tages nass bleiben – etwas ungeschickt, wenn man bedenkt, dass ich eine Erkältung hatte. Alleine dafür wird man am TEC schon fast erschossen, ich war also etwas schlecht gelaunt in Anbetracht der Aussicht, am Montag richtig krank zu sein.

Nach dem Wasserfall sind wir dann zu dem endgültigen Campingplatz gefahren. Dieser war eher ein Schlammfeld, der Regen schien sich progressiv zu verstärken. Nach unserer Ankunft machten wir es uns erstmal gemütlich. Hier fängt der lustige Teil an. Ich stellte mir die Frage: Wo zum Teufel soll ich eigentlich schlafen? An dieser Stelle eine kleine Rückblende zum Freitag…


„Alf, was muss ich eigentlich mitbringen?“ – „Tja, also eine Badehose, ein Handtuch, eine Taschenlampe, ein paar Wechselklamotten, Geld, was zu essen und … Ach ja, einen Schlafsack!“ – „Und wie sieht es mit einem Zelt aus? Ich habe nämlich leider keins.“ – „Nein, Nein, ich glaube nicht, dass das nötig ist! Du brauchst nur einen Schlafsack.“


Wieder auf dem Campingplatz: Es gab Wiese. Und Schlamm. Und Wiese mit Schlamm. Einen Fluss. Gemauerte Sitzecken unter Bäumen. Mit Schlamm. Wo zum Teufel soll ich schlafen? Alles klitschnass. Aber Alf wäre nicht Alf, wenn er nicht ein Ass im Ärmel hätte. Er spannte ein Seil zwischen zwei Bäumen bei einer Sitzecke und legte eine Plane darüber. So entstand ein Raum von ca. 3x4m, auf den es nicht regnete – unser neues Zuhause für den Tag. Trotzdem: Alles voller Schlamm – wo sollen wir schlafen? Es folgte ein Dialog, der eigentlich ziemlich witzig war. Leider fehlte mir noch die mexikanische Gelassenheit, um es in besagtem Moment wirklich witzig zu finden.

„Alf – wo sollen wir schlafen?“

„Naja, hier, ich habe ja ein Zelt improvisiert.“

„Okay, aber der Boden ist immer noch matschig und voller Steine!“

„Tja also ich habe mir eine Hängematte mitgebracht…“

„Ja und die ist riesengroß oder was?“

„Hm? Willst du etwa eine Hängematte mit mir teilen? Bist du schwul???“

„Nein Alf, ich dachte nur vielleicht hast du ja noch mehr Hängematten mit.“

„Nö, ich hab nur die eine!“

„Und wo sollen wir dann schlafen?“

„Keine Ahnung, lasst euch was einfallen…“

 

Hier ein Bild von unserem Lagerplatz am nächsten Morgen. Und eins von der Landschaft, die wirklich sehr schön war.

Etwas (deutlich) später rückte er dann raus, dass er noch ein Zweimannzelt dabei hat. Wir waren drei, haben das Zelt aber trotzdem aufgebaut. Natürlich im strömenden Regen. Es war durchnässt bevor wir fertig waren. Ich habe im Endeffekt im Auto geschlafen, Francisco hat Alfs Rat angenommen („Das Auto ist total unbequem“) und im Dreck (unter der Hängematte) geschlafen – gebettet auf unsere gesammelte Kollektion Neoprenanzüge. Camille hat sich dann irgendwann, soweit ich weiß nach einigen Tequilas, für das halbdurchnässte Zelt entschieden. Happy End wäre jetzt übertrieben, aber ich habe die Nacht dann doch noch ganz gut verbracht, wie es den anderen genau erging, weiß ich nicht. Sie haben aber nur positives verlaufen lassen. Man muss dazu sagen, dass die Ausflüge von Alf generell ein Sammelplatz für Leute sind, die nicht mehr alle Latten im Zaun haben. Francisco zum Beispiel bringt als Proviant generell nur Thunfisch in Dosen mit. Je länger der Ausflug, desto mehr Dosen. Für zwei Tage sind es 6 Dosen. Und natürlich einen Gewürzstreuer mit Chili. Selbstverständlich Chile mit Limettengeschmack. Der Mexikaner denkt ja praktisch! Also alle leicht crazy, ich fühl mich sehr wohl bei der ganzen Geschichte! ;-)

 

Am nächsten Morgen hat es zwar immer noch genieselt, die Welt sah allerdings schon deutlich besser aus! Springen konnten wir leider trotzdem nicht, Puenting fiel an dem Wochenende endgültig aus. Dafür haben wir etwas anderes betrieben, was sich „Hydrospeed“ nennt. Auch hier ist die Idee denkbar einfach: Man zieht sich Neoprenanzug, Helm, Knieschützer und Schwimmflossen an und legt sich auf eine Art Mini-Boot, das aussieht wie ein paar zusammengeklebte Bodyboards. Dann geht man so in einen Fluss und lässt sich mit der Strömung treiben. Dadurch, dass es das ganze Wochenende geregnet hatte, war der Fluss nicht gerade wenig gefüllt und das Hydrospeeding deswegen recht flott und spektakulär. Auch wenn ich ja eigentlich für etwas ganz anderes gekommen war, hat es sehr viel Spaß gemacht und das Wochenende hat sich trotz aller Widrigkeiten gelohnt. Manchmal dümpelt man vor sich hin, manchmal schleudert es einen geradezu durch die Gegend. Wenn sich wieder einmal die Gelegenheit bietet, bin ich dabei. Das Ganze in Bildern (vom Trip selber habe ich mangels wasserdichter Kamera natürlich keine):

Da wollten wir eigentlich runterspringen(Puenting):

Stattdessen sind wir da reingesprungen:

Das Ganze in diesem Outfit(man beachte, dass mein Neoprenanzug an einem Bein gefetzt ist. Das ist direkt dem Teilnehmer vor mir passiert…allerdings ohne Verletzung!):

 

Nach dem Hydrospeeding (mehrer Durchgänge, wir hatten ja nur drei „Boote“) haben wir uns dann auf den Rückweg gemacht. Wieder in nassen Klamotten, mit einem nassen Hund neben mir, auf einer nassen Rückbank. Es war eine ziemlich muffige Angelegenheit…

 

An dem Wochenende habe ich also einiges gelernt:

·         Carnitas am Morgen vertreiben Kummer und Sorgen

·         Bring IMMER eine Hängematte mit!

·         Hydrospeeding klingt bescheuert, macht aber Spaß

 

In diesem Sinne viele Grüße an alle, die diesen Blog trotz langer Wartezeiten noch lesen! :-)

 

PS: Ich hänge im Moment (01. November) ziemlich mit Einträgen hinterher – es ist in der Zwischenzeit schon einiges passiert. Wir waren in Tolantongo mit der Uni, es gab den Día de los muertos und eigentlich wollte ich auch nochmal was zur Unabhängigkeitstag schreiben. Leider ist es inzwischen zu der seltsamen Gegebenheit gekommen, dass ich tatsächlich ein bisschen was tun muss in der Uni. Daher hatte ich leider nicht so viel Zeit…aber ich hoffe, dass ich den Rückstand trotzdem aufholen kann!

Das ruft man in Mexiko beim Abstoß der gegnerischen Mannschaft. Ich war am Wochenende in Mexiko-Stadt (hier kurz Mexico oder DF) und habe mir die WM-Quali-Partie Mexiko vs. El Salvador angeschaut. Wer mich kennt, weiß, dass ich weder besonders viel Ahnung von Fußball habe noch besonders gut spielen kann – weder auf der Playstation, beim Tischkicker noch in echt. Trotzdem wollte ich mir die Gelegenheit nicht entgehen lassen, mir ein Spiel in Mexiko Stadt mal anzuschauen. Das Stadion – Estadio Azteca – ist nämlich ein ganz schöner Brummer und mit seiner Kapazität von 100.000 Sitzplätzen auf jeden Fall einen Besuch wert. Die Tickets waren mit 9 Euro auch nicht gerade sündteuer.


Aber erstmal ein kurzer Einschub: In letzter Zeit war ich im Schreiben relativ faul. Das liegt daran, dass ich immer den Drang habe, alles besonders gut zu beschreiben. Das hat zum einen die Folge, dass meine Einträge ziemlich lang sind und zum anderen, dass ich es vor mir her schiebe, etwas zu schreiben – ganz einfach weil ich weiß, dass ich länger dran sitze! Ich werde also versuchen, mich in Zukunft etwas kürzer zu fassen, dafür aber hoffentlich öfter zu berichten. Schließlich ist das hier ein Reiseblog und keine Sammlung von Kurzgeschichten. Ich werde trotzdem versuchen die Tage nochmal einen Eintrag zum Unabhängigkeitstag nachzuschieben, dieser war nämlich durchaus cool!

 

Aber zurück zu diesem Wochenende: Nachdem wir am Freitag Abend das Ende der Prüfungen der letzten Woche begossen hatten, stand ich am Samstag morgen unerträglich früh (07.30) auf. Erste Feststellung: Zu dieser unchristlichen Zeit ist es in Mexiko tatsächlich nicht heiß, wer hätte es gedacht. Bisher hatte ich derartige Frühaufsteh-Aktionen erfolgreich vermieden. Während ich also in aller Morgenfrische (naja, ich war nicht wirklich frisch weil ungeduscht und um 5 Uhr morgens gut angetrunken ins Bett gegangen) zum Einkaufszentrum lief um meine Geldreserven aufzufrischen, kam mir tatsächlich der Gedanke, dass ein Spaziergang im Kühlen etwas schönes sein kann. Ist das Heimweh?

 

Wie dem auch sei, es sollte noch deutlich kühler werden. Denn um neun Uhr nahmen Rand, Carlos (Austauschstudent aus Ecuador und stets unsere erste Kraft in Sachen Verhandlungen mit Türstehern und sonstigen Hindernissen. Zum einen spricht er fließend Spanisch und zum anderen ist er so klein und zierlich, dass keiner auf die Idee komme würde, ihm etwas anzutun. Gepaart mit seiner Dreistigkeit kommt er so recht weit!) und ich einen Primera-Plus-Bus nach Mexiko City. Wie gewohnt herrschten im Bus arktische Temperaturen. Wir hatten natürlich ausreichend dicke Kleidung dabei. Diese braucht man allerdings einzig und allein für die Busfahrt.

 

Da ich vorher Mexiko City noch nicht aktiv besucht hatte, kannte ich die Stadt nur von Erzählungen anderer. Laut dieser handelt es sich bei der Stadt um einen gefährlichen, stinkenden, hässlichen Klotz. Umso überraschter war ich bei unserer Ankunft. Die Metro/U-Bahn ist zum einen sehr gut durchgeplant und günstig und stellt in Sachen Sauberkeit deutlich viele deutsche Städte in den Schatten. Für 10 Cent fährt man komfortabel durch die ganze Stadt – durch ein Farb- und Zeichensystem selbst für Analphabeten problemlos machbar. Sicher gefühlt habe ich mich auch. Sicher, man sollte sein Portemonnaie nicht in der Gesäßtasche stecken haben, aber wenn man sich an einfache Regeln hält und nicht dumm anstellt, ist es nicht gefährlicher als in jeder anderen Ubahn auch. Den Unterschied machen vielleicht die Verkäufer, die ständig durch die Waggons tingeln und versuchen jeden erdenklichen Scheißdreck unter die Leute zu bringen. Entschuldigung, aber wer kauft in der U-Bahn Zutaten für ein entspannendes Vollbad?

Das Zentrum von Mexiko Stadt ist ebenfalls recht schön, wenn auch gelegentlich nicht hundert Prozent sauber. Der zentrale Platz, der zócalo, ist riesengroß und von ebensogroßen Gebäuden umgeben. Über ihn tanzen Kräuter verbrennende Indios, Verkäufer aller Art und natürlich eine Menge Touristen. Während meines Aufenthalts war sogar eine Art Buchmesse da. Ich war kurz davor, mir „Feng Shui für Anfänger“ auf Spanisch zu kaufen! Bilder gibt es leider keine, da ich im Moment über keine eigene (funktionierende) Kamera verfüge. Dazu aber ein anderes Mal mehr. Eine weitere Eigenheit von Mexiko (im Vergleich zu Deutschland) sieht man ebenfalls auf dem Hauptplatz der Hauptstadt: Innere Sicherheit ist nicht nur ein Ding der Polizei. Gleich bei unserer Ankunft (wir waren gerade aus der Ubahn-Station raus) rollte ein LKW mit Militärpolizei auf den Platz, allesamt in Flecktarn und mit Maschinengewehren. Auch der „Palacio Nacional“ wird nicht von Polizisten, sondern von breitbeinig aufgestellten Soldaten in Kampfmontur (und das in der Hitze, die armen Schweine) und mit Sturmgewehr im Anschlag bewacht. Für mich immer noch ein bisschen gewöhnungsbefürftig…

 

Wir haben in unserem Hostel eingecheckt (Hostal Catedrál – sehr zu empfehlen) und sind dann direkt zum Tagesziel gepilgert. Direkt ist allerdings übertrieben, da wir uns noch mit ein paar anderen Extranjeros getroffen haben, die bei einem Cousin von einer der Austauschstudentinnen untergebracht waren. Die betreffende Gruppe brillierte mit solider, selbstgefälliger Dickbräsigkeit, die ich normalerweise nur einzelnen Individuen zuschreibe. Nach diversen Telefonaten mit Ortsänderungen und einer SMS „We’ll be right there“ traf die Kompanie dann tatsächlich in einer Ubahn-station ein, in der Rand und ich warteten. In einem Tempo, in denen ich ihnen dreimal die Schuhe besohlen kann und natürlich mit einem Haufen Tüten von Burger King im Schlepptau. Einzig und allein Carlos brachte einen Kommentar hervor: „Sorry Jungs, dass wir so spät sind, aber ich bin mit Frauen unterwegs…“. Jetzt wusste ich auch, warum die Mädels mir vorher panisch versichert hatten, dass man unbedingt Stunden vor dem Spiel losgehen muss – weil sie selber ihren Arsch nicht hoch kriegen. Mit der lahmen Einstellung kommt man nicht einmal in einer Concorde in 80 Tagen um die Welt.

 

Irgendwann waren wir dann endlich beim Stadion, ab hier gibt es auch Bilder. Hier erstmal eins von unserer Mannschaft – natürlich (fast) alle im Trikot. Meins hat übrigens 5€ gekostet, auf einem Markt in Guadalajara. Das Original kostet 50€. Dafür hat meins nur zwei von drei Adidas-Streifen – das stört aber niemanden! Leider haben wir uns vorm Stadion verloren beziehungsweise in zwei Gruppen aufgesplittet, so dass auf diesem Bild nur die Hälfte der Leute ist.

 

 

Das Stadion ist mit 100.000 Sitzplätzen schon ein Mordsding, wir waren fast eine Stunde vorm Spiel drin, natürlich war schon fast alles voll. Wir haben uns also recht weit oben breit gemacht, quasi direkt neben dem Fanblock von El Salvador. Dieser war natürlich winzig und von zwei Reihen Policía abgeriegelt. Ich hatte gehört, dass es im Vorfeld einige Streitigkeiten zwischen El Salvador und Mexiko gab (im Hinspiel wurden die Spieler von Mexiko in El Salvador wohl ziemlich mies behandelt und mussten alle als potenzielle Schweinegrippe-Verseuchte mit Mundschutz rumlaufen), trotzdem ging es alles sehr friedlich zu.

 

 

Nach Anpfiff wurde erstmal zehn Minuten nicht gespielt, da das Stadionpersonal mit Feuerlöschern einen wild gewordenen Bienenschwarm vertreiben musste, der sich am Pfosten neben dem Torwart von El Salvador breit gemacht hatte. Dieser war natürlich nicht mannsgenug, um sich beim Bälle halten ständig stechen zu lassen. Abfällig haben wir es mit lauten Pfiffen und Beleidigungen quittiert! Das Spiel selber war ganz okay, wenn zeitweise auch etwas unspannend. Die Stimmung im Stadion war dafür umso besser und im Endeffekt hatten wir viel Spaß, während El Salvador kräftig die Hucke voll bekommen hat(4:1). Hier heißt es deswegen jetzt offiziell „VAMOS AL MUNDIAL!“

 

Nach dem Spiel war natürlich alles rappelvoll und wir hatten arge Probleme, in der Gruppe und ohne beklaut zu werden, wieder zurück ins Zentrum zu kommen. Mir hat allerdings keiner in die Tasche gegriffen. Besonders schön war es in der Metro („VIVA MEXICO, VIVA MEXICO CABRONES!!!“) als Carlos plötzlich den unstillbaren Drang verspürte “VIVA ECUADOR!!!” zu brüllen. Im Endeffekt sind wir trotzdem heile rausgekommen.

 

 

Im Hostel haben wir uns dann dazu entschieden, ohne Umwege einfach auszugehen. Da wir in unseren Trikots, durchgeschwitzt und von oben bis unten mit Bier bespritzt, noch nicht abgesifft genug waren, entschieden Rand, Gerri und ich uns dazu, noch einen Abstecher in eine Taqueria zu machen, also einen kleinen Taco-Laden an der Straße. Das Essen war fantastisch (eine der besten Tortas, die ich bis jetzt gegessen habe), danach rochen wir allerdings so als hätten wir eine Nacht auf Dönerspießen gebettet verbracht. Also ab in die Bars mit der ganzen Mannschaft. Folgendes Gruppenbild entstand davor und ich habe irgendwie das Gefühl, dass ich öfter Cowboy Hüte tragen sollte, um diesen schneidigen Look zu behalten!!!


Der Abend war ganz lustig, auch wenn wir durch die Größe unserer Gruppe (am Schluss 12 Leute, jeder will etwas anderes) mal wieder ein bisschen mehr Stress als nötig hatten. Ich liebe ja nichts mehr, als große Runden zu bestellen und am Schluss Geld von 11 besoffenen Leuten einzusammeln um den Kellner zufrieden zu stellen!;-)

 

Am nächsten Morgen (nach einem für ein Hostel ausgezeichnetem Frühstück) habe ich mir dann noch ein bisschen den Zócalo von Mexico angeschaut, also den zentralen Platz. Dicke Kathedrale, dicker „palacio nacional“, tanzende Indios, fies dreinschauende Jungs mit Maschinengewehren und Splitterschutzwesten bei 30° im Schatten (arme Schweine) sowie ein paar Schulmädchen, die mich auf Englisch interviewen wollten für ihren Englischkurs. Ihr englisch war dermaßen mies, dass ich keinen Satz verstanden habe – obwohl sie abgelesen haben. Ich habe dann auf Spanisch gesagt, dass ich aus Deutschland komme und kein Englisch spreche, um dem Elend ein ende zu setzen!

 

Mexiko Stadt ist ziemlich groß und ich werde auf jeden Fall nochmal ein Wochenende hinfahren, um mir alles genau anzuschauen – ein paar Stunden Sightseeing reicht da bei weitem nicht aus. Einen ersten Eindruck konnte ich mir trotzdem machen – und der ist sehr gut. Ich freue mich schon drauf, alles nochmal genau unter die Lupe zu nehmen. Hier zum Abschluss zu guter Letzt noch ein paar tanzende Indios fürs Protokoll:

Ach ja, ein Bild von meiner fantastischen „2010“-Weltmeisterschaft-Brille darf natürlich auch nicht fehlen. Von vielen belächelt, wusste ich jedoch tief in mir drin, dass die anderen nur neidisch auf diesen schicken Look waren!

 

 

In diesem Sinne an dieser Stelle erst einmal Schluss. Ich hoffe, dass der nächste Eintrag nicht so lange auf sich warten lässt wie dieser!


Saludos,

Chris

 

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