Diesen Eintrag will ich voll und ganz Kuba widmen: unserer Reise und dem Land so, wie wir es wahrgenommen haben. Denn eins ist uns klar geworden – es gibt viele verschiedene Kubas, je nachdem wie man reist, was man macht und wohin man geht.
Aber noch einmal kurz zu unserer Truppe, ich hatte ja im letzten Eintrag schon ein Foto eingestellt. Weil es so schön ist, lass ich aber ein zweites folgen:
Von links nach rechts handelt es sich um Aree(Rands Kumpel aus England), Rand(mein aus dem blog schon bekannter wingman), meine Wenigkeit und Viktor(ebenfalls von der TU, dieses Semester dazugestoßen). Wir sitzen vor irgendeinem Monument in Habana, an das ich mich nicht mehr genau erinnern kann (welches aber bestimmt irgendetwas mit der Revolution zu tun hat). Schon aus dieser Gruppenkonstellation ergaben sich einige Probleme sprachlicher Natur:
· Aree spricht nur Englisch und Kurdisch
· Rand spricht Kurdisch, Spanisch und Deutsch aber ungern Englisch
· Ich spreche Englisch, Spanisch und Deutsch
· Viktor spricht Englisch und Deutsch, aber noch nicht so gut Spanisch
Das ständige Wechseln hat uns einiges an Nerven gekostet. Wie man sich vorstellen kann, habe ich am Schluss mit Aree Deutsch, Rand mit mir Kurdisch und Viktor mit mir Englisch gesprochen. Oder so ähnlich. Immer wenn Alkohol im Spiel war (und das war nicht unbedingt selten) vereinfachte sich die Situation nicht – im Gegenteil. Im Endeffekt war unsere gemeinsame Sprache Englisch, die Hälfte der Zeit haben wir aber mit irgendwelchen Leuten Spanisch gesprochen (während Aree abwechselnd Däumchen gedreht und Bahnhof verstanden hat).
Neben unseren internen Problemchen hab es natürlich auch noch Verständigungsprobleme mit den Kubanern. Kubanisches Spanisch klingt ungefähr so wie wenn man eine Flasche Whiskey auf Ex trinkt, die Zähne zusammenkneift und mit doppelter Geschwindigkeit nuschelt – der Einfachheit halber lässt man jeden vierten Buchstaben bei der Aussprache weg. „Ennienes?“(=>“Entiendes?“ – „Verstanden?“). Während ich die meiste Zeit versuchte per Gedankenkraft Fragezeichen in die Luft zu malen, kam Rand recht gut mit dem Gesabbel zurecht und avancierte dadurch schnell zum Wortführer. Außerdem ist sein Lieblingshobby verhandeln, so dass Rand unglaublichen Spaß daran hatte um den letzten Krümel Nachtisch zu feilschen, während ich schon vor Hunger starb. Manchmal etwas zu viel, meistens hat es uns aber Rabatte eingebracht (in Kuba existiert der Studenten-Rabatt im Gegensatz zu Mexiko).
Aber gut, jetzt aber zur eigentlichen Reise! Nach einem locker flockigen Flug von Mexico (Mexiko-Stadt) aus kamen wir im Kommunismus an. Spontan entschieden sich die Grenzbeamten, uns Mischung aus Weißbroten und Kurden mal richtig ranzunehmen und beorderten uns zur Seite. Dort erfasste ein freundlicher Grenzbeamter im nuschelnden Spanisch unsere Lebensläufe, das dauerte ungefähr 25 Minuten. Nachdem er von allen Blutgruppe, Lieblingsverein und Farbe der Unterhose aufgenommen hatte, durften wir endlich ins Land des Rums und der Zigarren passieren. Gleich der erste Taxifahrer drehte mit uns irgendein halblegales Ding, so dass wir zwar billig (Rand hatte natürlich mit ihm verhandelt) fuhren, aber vorher einen halben Kilometer zu seinem Taxi (einem stattlichen Lada Modell Vor-Sinnflut) laufen durften.
Erster Eindruck von Kuba: Mickriger Flughafen, warm, wenig Verkehr, verschwitze und gewitze Taxifahrer. Selbiger begrüßte uns dadurch, dass er die Salsa-CD aus dem Radio zog und erstmal Akon-Pop aus den Staaten einlegte. Naja, er meinte es wahrscheinlich gut. Weiter forderte er von uns die leergetrunkenen Plastikflaschen. Wir dachten: „Scheiße, die haben ja wirklich nix hier…“.
Wir ließen uns dann zu einer casa particular karren, so ziemlich der günstigsten Form der Unterkunft in Kuba. Der Ausdruck bedeutet nur, dass sich stinknormale Kubaner eine (teure) Lizenz geholt haben, mit der sie Gäste in ihrem Haus beherbergen können. Zwei pro Zimmer, nicht mehr, sonst gibt’s Haue(ernsthaft). Unsere erste casa war direkt ein echter Brenner – bewohnt von José und Odalys. José war der Mann des Hauses, mit einer Vorliebe fürs laut Reden und Gestikulieren. Der erste Eindruck ließ mich darauf schließen, dass er sowohl italienische als auch epileptische Vorfahren hat. „ENNIENNES???“ Seine Frau, Odalys, war sowohl optisch als auch funktionell irgendwo zwischen B-Prominenz und Puffmutter anzusiedeln. Wir handelten also einen (im Nachhinein astronomisch hohen) Preis für die zwei Zimmer aus und durften uns dann das Regelwerk von Odalys anhören. Sie erklärte uns, wie es in Kuba mit den zwei verschiedenen Geldsorten läuft, wo man besser nicht essen sollte und dass wir mit zwei Mann pro Zimmer keine Frauen mit nach Hause bringen dürften. Nun gut, das ist verständlich, denn in Kuba darf man eben nur zwei Personen einquartieren und sie hatte Angst, dass eine dritte (leichte Dame) die Überbelegung meldet und sie direkt ins Kittchen bugsiert. In Anbetracht unserer testosterngeschwängerten Gruppe legte sie aber direkt nach:
„Also gut, die Frauen von der Straße kenne ich nicht, denen kann ich nicht vertrauen, aber wenn euch zum Beispiel meine Cousine hier gefällt, die in der Küche, also der kann ich schon vertrauen, dann macht mir einfach mal einen guten Preis!“.
Bitte? Später fanden wir dann auch heraus, dass es sich nicht um ihre Cousine handelte, sondern ein Mädchen, das erst seit einem Monat bei ihr arbeitete. Aber für’s erste waren wir schon mal leicht…schockiert? Odalys bekräftigte ihren Vorschlag noch dadurch, uns enorm starke Daiquiris zu servieren und rief eine weitere, dickbrüstigere und blondere „Cousine“ an. Wir machten uns leicht angetrunken auf, die Stadt zu erkunden. Hier ein Foto von unserem Heißmacher-Drink inklusive Aussicht auf La Habana sowie ein Aktfoto von Rand in einem unserer schönen Räume.
Bei dem Kissen in Rands Händen handelt es sich übrigens um ein speziell kubanisches Produkt. Es ist die Art von Weichprothese, welche die Kubanerinnen in ihre Jeans stecken um die weltweit berühmte, kugelrunde Hinternform zu erreichen. Aus unerfindlichen Gründen und trotz abgeschlossener Schränke lag eines dieser Spezialutensilien auf einem Bett unseres Zimmers.
Odalys hatte auch schon für unser leibliches Wohl am nächsten Tag vorgesorgt und José erzählte uns wild mit den Armen rudernd von dem fantastischen Frühstück, dass uns für 5 CUC (~4€) erwarten würde: Eier, Früchte, Brot, Butter, Marmelade, frischen Saft, Kaffee, Honig, Milch, Schinken, usw. Hätte mich nicht gewundert, wenn er noch eine Cousine draufgelegt hätte. Und naja, dann gäbe es noch leicht abgespeckte Varianten, für 3 bzw. 2 CUC, mit ein bisschen weniger, ist ja klar. Das leuchtete uns ein und im Hinblick auf den gebeutelten Geldbeutel (danke Griechenland, dass ihr den Karren in den Dreck gefahren habt!) orderten wir die mittlere Version für 3 CUC. Am nächsten Morgen brauchten Odalys (und ihre zwei leichten Gehilfinnen) unter Josés Aufsicht eine ganze Stunde, um unser Festmahl zuzubereiten. Dementsprechend hoch war unserer Erwartung. Wir saßen am Tisch, bekamen frischen Saft(!), zuckersüßen Instant-Kaffee in Expresso-Tassen und getoastes Brot. Als Viktor anfing, das Brot zu essen, wollten wir ihn noch zu Recht weisen, auf das richtige Frühstück zu warten. Nach etwas längerer Wartezeit wurde uns dann klar, dass wir es vor uns hatten. Toastbrot mit Butter und Salz – Gott erhalt’s. Auf die Frage, was denn das 2 CUC Frühstück sei, konnte José nur mit „Kaffee und Saft“ antworten und fuchtelte noch ein paar Mal in der Luft herum, um die hohen Butterpreise zu unterstreichen.
Wir beließen es bei dem einen Frühstück, empfahlen uns und erkundeten abermals La Habana. So mies das jetzt auch klingt, es soll folgendes gesagt sein: Überall, in allen anderen Häusern, wurden wir sehr gut behandelt. Die Leute waren freundlich, nett, kooperativ und machten uns für mittelviel Geld wirklich gutes Essen: satte Abendessen und wahrhaftig gute Frühstücke. Der Hinweis auf unser Studententum stieß fast immer auf Verständnis und so manches Großmütterchen schloss uns geradezu in ihr Herz. In den casas particulares haben wir viel Freundlichkeit und Gastfreundschaft erlebt, das Lehrgeld, das wir bei Odalys Frühstück gezahlt haben, war denkbar gering. Ich glaube es gibt nicht viele bessere Möglichkeiten, echte Kubaner kennenzulernen als in deren Häusern zu schlafen, gerade wenn man sehr wenig Zeit hat! Für uns war es zum einen natürlich viel billiger, als in großen Hotels zu logieren und zum anderen auch viel interessanter. Ohne Spanisch ist man in diesen Unterkünften allerdings recht verloren, sowohl beim Verhandeln des Preises als auch beim Kennenlernen der Bewohner. Jedem, der nach Kuba geht, kann ich diese Art der Bleibe trotzdem uneingeschränkt empfehlen(außer natürlich man will Kubanerinnen von der Straße mitnehmen!). Auch wenn die Kubaner einen recht kitschigen Geschmack haben, wie Rand und Aree feststellen durften, als sie im rosa Liebesnest residiert haben!
In La Habana haben wir dann erstmal ein Auto gemietet, um besser in Kuba herum zu kommen. Es gibt zwar auch diverse Busse, allerdings karren die einen wahrscheinlich auch nur zu den arg touristischen (und teuren) Plätzen. Da wir zu viert waren, wollten wir uns den Luxus eines fahrbaren Untersatzes nicht nehmen lassen. Nachdem wir mit geschätzten 83 Autovermietungen verhandelt hatten, bekamen wir einen kleinen Peugot 206 unter den Hintern. Da Viktor und ich unsere Pässe dabei hatten, ließen wir uns als Fahrer eintragen. Im einem Reiseführer stand: „Es gibt wenig Autos auf den Straßen und auf der Autobahn außerhalb von La Habana“. Wie wir dann feststellten, sollte man das nicht mit wenig Verkehr gleichsetzen, denn in Kuba sind die Straßen/die eine Autobahn gerammelt voll mit Fußgängern, Spaziergängen, Fahrradfahrern(die auch gerne in dritter Reihe radeln), Pferdekutschen und allem sonstigen, was nach guter deutscher Auffassung und StVO nicht unbedingt auf eine Autobahn gehört. Der Straßenrand ist voll mit Anhaltern, da in Kuba sehr viel Anhalter gefahren wird – es gibt auch ein System von Regierungsangestellten, die Autos anhalten und Mitfahrer zuteilen. Da wir aber selber motorisiert waren, haben wir das nicht näher kennengelernt. Natürlich gibt daneben auch Abschnitte, die völlig leer sind, wo es sich auf sehr entspannt fährt.
Neben einem Haufen Fußgänger haben wir auch noch Anderes getroffen, was dringend von mir überfahren werden wollte: Auf einer Straße am Meer wimmelte es auf einmal von Krabben. Ich alleine habe ungefähr 40 Stück mitgenommen, dementsprechend sah die Straße auch aus. Und dementsprechend roch sie. Wir haben trotzdem angehalten um ein paar Bilder von den lemmingartigen Krebsmännern zu machen. Ein bisschen besorgt waren wir, da uns andere Touristen erzählten, dass die Beine von den dicken Brummern auch schon mal Reifen vernichten könnten – laut diverser Einheimischer. Hier warten ein paar Kandidaten am Straßenrand auf den Tod durch Zerquetschen.
Aber soviel zum Rumfahren, im Endeffekt geht es ja darum, wo wir eigentlich hingegurkt sind. Als erstes hat es uns nach Westen verschlagen, in einen Ort namens Viñales. In Viñales gibt es eigentlich nicht viel außer Tabakfeldern und schöner Landschaft, selbige war aber wirklich sehr schön. Leider habe ich kein angemessenes Foto geschossen. Wir haben kurz entschlossen direkt nach unserer Ankunft einen Ausflug in die Tabakfelder gebucht – zu Pferd. Unter der Führung eines echten kubanischen Cowboys („Manchmal, wenn wir zu einer Feier reiten und trinken, nehmen wir unsere Lassos, werfen sie auf einen aus der Gruppe und ziehen ihn dann beim Reiten vom Pferd runter. Aber alle zusammen, und lassen ihn nicht frei, bis er uns verspricht Schnaps zu kaufen…“) haben wir die Tabakfelder erkundet. Die Pferde wussten schon genau wo es langgeht, so dass wir eigentlich gar nichts machen mussten außer den Anekdoten zu lauschen und die Umgebung zu beglotzen.
Nach dem Ausritt wurde uns dann auch ein sogenanntes Trocknungshaus gezeigt, in dem die Tabakblätter nach der Ernte abhängen. Davon gehen 90% an „Papá“, den Rest dürfen die Bauern behalten(um daraus selber no-name Zigarren zu machen).
Danach sind wir noch zu einer Hütte geritten, in der gerade ein Kubaner pennte. Unser Cowboy weckte ihn recht unsanft, woraufhin er erstmal eine leere Flasche Rum beiseite stellte („ein bisschen viel Karneval im Moment…“) und sich zurück ins Leben beamte. Er machte uns dann Grapefruit-Rum-Zuckerrohrsaft-Cocktails, erklärte uns die Zigarrenherstellung und versorgte uns mit anderen wichtigen Anekdoten. Im Endeffekt haben wir ihm ein paar Zigarren abgekauft und alle waren glücklich.
Am nächsten Tag haben wir zum ersten Mal ein vernünftiges Frühstück (für 4 CUC) bekommen, eine Höhle angeschaut und uns dann auf den Weg Richtung Osten gemacht, wo wir die meisten Ziele unserer Tour hatten.
Die beste Geschichte aus Viñales will ich natürlich nicht vorenthalten: Zufälligerweise war in dem Kaff gerade Karneval, also das Fest der Stadt und des Jahres. Am Abend saßen wir total geplättet auf der Terasse und wollten eigentlich gar nichts mehr machen - schon gar nicht auf eine kubanische Bauernkirmes gehen. Dann hörten wir aber ständig laute Musik, einen DJ der wild moderierte („Und jetzt arrrriiiiiba“) sowie ausgelassenes Gekreische von Frauen. Selbst bei einem Bier ließ unsere Vorstellungskraft nicht lange auf sich warten und nach 20 Minuten hatten wir in unserer testosteron-angereicherten Gruppe die Schlussfolgerung gezogen, dass auf dem Platz im Zentrum ungefähr hundert heiße Kubanerinnen (im Regen!) tanzten, die auf Befehl des DJs ihre Hände in die Luft schmissen. Das überzeugte uns dann doch uns wir machten uns kurzerhand auf den Weg. Als wir näher und näher kamen, wunderte uns schon, dass der Rest des Festes bereits vorbei war und dementsprechend viele Leute auf dem Weg nach Hause. Musik gab es trotzdem, und wir folgten ihr. Hinter der letzten Ecke löste sich dann das Rätsel: Dort stand nämlich eine Schiffsschaukel, die unter Anfeuerung des DJs hoch und runter sauste, voll mit kreischenden 16jährigen Jungs und Mädels. Nachdem wir die ärgsten Lachkrämpfe hinter uns hatten, machten wir uns leicht niedergeschlagen über die Abweichung von dem, was wir uns ausgemalt hatten, wieder zurück auf den Heimweg.
Mit dieser Geschichte möchte ich erstmal schließen, damit der Eintrag nicht allzu lang wird und ich nicht ein Jahrhundert brauche, um ihn fertig zu stellen. Mehr folgt in Teil 2! ;-)